Druckschrift 
2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
Seite
262
Einzelbild herunterladen
 

262

Drittes Buch.

ist eben eine Zusammenstellung der Gegensätze. Dieß also ist diesogenannte Antithese.

9. Eine Pari sosis ') dagegen entsteht, wenn die Gliedereiner Periode völlig gleick find; Kl a n g ä h n l i ch kc it, wenn zweieinander entsprechende Glieder äbnlich lautende Anfänge oder Aus-gänge haben. Eine solche Aebnlichkcit muß aber nothwendig entwederin den Anfangs-, oder bei den Endworten stattfinden, und zwar mußder Anfang immer die vollständigen Wörter ähnlich klingend haben,während daS Ende entweder bloß die letzten Silben, oder BcugungS-formen desselben Worts, oder auch das Wort selbst ähnlichklingendhat. Beispiele von Glcichklängen am Anfänge find:Sand bekamer für Land von ihm"

Gabe ward ihnen gewährt und Labe von schmeichelnden Worten^).

Beispiele am Ende der Glieder sind:Sie meinten, wenn Er selbstdas Kind nichts erzielt, so habe er doch wenigstens den Kupplergespielt";in einer Fülle von S orgen und wenig Hoffnungenauf morgen". Beispiel eines Beugungsfalls ein und desselbenWorts:Ein Standbild sollt' er werth sein von Erze, da er niä'twerth ist eines Erzes" ^). Ein Beispiel desselben Worts endlich:im Leben sprachst du von ihm schlecht, und jetzt schreibst du vonihm schlecht. Ein Beispiel, wo nur die letzte Silbe einen Gleichklangbildet, ist:Was ist dir denn damit Schlimmes gcschehn, einenNichtsnutzigen anzu sc hn?" Es kann jedoch auäi dieses Alles zu-sammen in einem Satze vereinigt sein, so daß dieselbe Periode eineAntithese, parallele Glieder und gleichklingenden Ausgang hat.

Was die Anfänge der Perioden betrifft, so findet man sie ziem-lich vollständig aufgezählt in der Theodektischen Anleitung ^).

!) O. h.ParalleliömuS".

2) Aus Homer Jl. IX, 526.

5) Die Negation scheint nothwendig, obschon sie in der Handschr. fehlt.Woher der Satz ist, weiß Niemand.

*)Ein Erz" ist im Griechischen einHeller" von diesem Metall.

5) Siehe die achte Anmerkung zum 23. Kap. des II. Buchs. Aristotelesverweist hier auf sein bereits publizirtcs, dem TheodckteS gewidmetes rhetori,cheS Werk, das vielleicht spater unter dem Namen vcS Thcodektes ging undjetzt verloren ist. Auch dieß Citat spricht dafür, daß wir in der heutigenArist. Rhetorik ein VortragSheft besitzen.