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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Drittes Buch.

Rennbahn die Läufer athemlos und matt werden, denn so lange siedas Ziel vor sich sahen, empfanden sie die Müdigkeit nicht. Das istalso die äußerlich fortlaufende Art der sprachlichen Darstellung.

3. In sich abgerundet dagegen ist die in Perioden gegliederte.Ich nenne aber Periode einen Satz, der an und für sich genommenAnfang und Ende und einen wohlübersehbaren Umfang hat. Einesolche ist angenehm und leicht faßlich: angenehm: weil sie gradeentgegengesetzter Natur ist, als das Unbegrenzte ^), und weil der Zu-hörer (oder Leser) immer meint, nun habe er etwas, weil immer etwasfür seine Auffassung abgeschlossen wird, während cs dagegen uner-quicklich ist, nichts vorauszusehen und nichts zu Ende zu bringen.Leichtfaßlich, weil sie leicht im Gedächtniß zu behalten ist, undzwar ist sie dieß, weil die periodische Sprachdarstellung ein bestimmtesZahlmaß hat, was die allerbeste Gcdächtnißhilfe ist. Darum behältauch Jedermann Verse leichter, als Prosa, weil sie ein bestimmtesZahlmaß haben, nach welchem sie gemessen werden ^).

4. Es ist aber erforderlich, daß die Periode auch dem Gedankennach abgeschlossen sei, und nicht zerhackt werde, wie die SophoklischenJamben:

Kalydon ist diese Landschaft, des Pclvpischeu LandsIGenüberstehnde Küste, glücklicher Fluren vvlls^).

die am Ende der Rennbahn nufgerichteten Zielsänlen, auf denen das Wortwende" sxcc^>/>or-!) geschrieben stand, »ebrigens steht man hier, wie in derzu Anfänge des vorigen Kapitels eingcstrenten Bemerkung, so recht deutlich,wie der große Denker überall hin seine klugen Augen gerichtet hat, und wieihm Astes, was er sah und beobachtete, zu geistigem Ertrage wurde. DieseSachlichkeit der Darstellung ist bei ihm wahrhaft entzückend.

Die endlos fortlaufende, bloß durch Biudeworic aneinander gereihtesprachliche Darstellung.

2zBörse gemessen." Im Griechischen ist dieß noch ausdrucksvoller,weil beide Ausdrücke und demselben Worlstamme angchören,

der in Maß und messen liegt.

a> Diese beiden Verse, deren zweiter im Aristotel. Texte fehlt, weil Aristo-teles darauf rechnen konnte, daß seine Zuhörer und Leser ihn ergänzten, sindnach de» Zeugnissen der Alten nicht von Sophokles, sondern auS EuripideS'TragödieMeleagroS". <S. Vaielcenaer cliatr. äs Lurip. kragm- Kap. XIII,p. 142 ff. I,Ips.>. Entweder also hat Aristoteles hier einen Gedächtnißfehlcrgemacht, oder er verwechselte dieß Beispiel eines fehlerhaft abgebrochenen Verses