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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch.

Das Nechr erheischt, wenn eine den Gemahl erschlug,"

daß dieselbe den Tod erleide, und ebenso erheische das Recbt, daß einSohn vorzugsweise seinen Vater räche. Dies sei nun Alles in demvorliegenden Falle geschehen. Allein wenn man diese beiden Sätzeverbindet, so ist die That vielleicht nicht gerecht. Man kann aber auchsagen, der Trugschluß beruhe hier auf der vom Dichter begangenenAuffassung eines Gliedes, denn es fehlt dasvon wem" >).

-L. Eine weitere Form besteht darin, daß man durch Anrufungleidenschaftlicher Gefühle etwas aufzubauen und zu Nichte zu machensucht. Dies geschieht, wenn man, ohne erwiesen zu haben, daß Eineretwas gethan hat, die That mit allen Mitteln deS Ausdrucks steigert;denn dadurch bewirkt man den Schein, entweder daß der Angeklagtedie That nicht begangen habe, wenn er als Angeschuldigter selbst siesteigert, oder daß derselbe sie begangen hat, wenn man als Anklägerin Zorn geräth. Eigentlich also ist dies kein richtiges Euthymema,denn der Schluß, den der Zuhörer macht, daß der Angeklagte dieSache gethan oder nicht gethan habe, während doch keins von beidennachgewiesen worden, ist ein Fehlschluß.

5. Eine andere Form folgert aus einem einzelnen Anzeichen ^),auch dies nämlich hat keine Schlußkraft. Ein Beispiel ist, wenn Je-mand sagen wollte:Liebhaber sind den Staaten nützlich, denn dieLiebe des Harmodios und Aristogeiton hat den Tyrannen Hipparchosgestürzt". Oder wenn Jemand sagen wollte:Dionyfios ist ein Dieb,denn er ist ein schlechter Mensch". Denn auch hierin liegt keineSchlußkraft; nicht jeder schlechte Mensch nämlich ist auch ein Dieb,wenn schon jeder Dieb immer auch ein schlechter Mensch ist.

6. Eine andere Form ist die, welche etwas begründet durch einen

E) D. h. von wem gerechter Weise eine solche Gattin gctödtet werdendarf, lieber TheodekteS s. die Anmcrk. 8 und LS zum vorigen Kapitel. Wirhaben hier übrigens ein neues Beispiel davon, wie sich die späteren tragischenDichter an der Motivirung jener von den großen Tragikern behandelten Thatversucht haben, und wie sie dabei mehr und mehr ins sophistische Neflektiren-verfielen.

2) S. die Bemerkung zu I, Kap. 2. § 14.