Druckschrift 
2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
Seite
210
Einzelbild herunterladen
 

210

Zweites Buch.

dein nöthigen, wie z. B. die Gesichtspunkte, ob etwas möglich undleicht oder nützlich ist für uns selbst oder unsere Freunde, oder schäd-lich und nachtheilig für unsere Feinde, oder ob die für uns mögliche»achtheilige Folge einer That geringer anzuschlagen ist, als die That,um die es sich handelt. Und so wird aus diesen Gesichtspunkten zu-geredet, wie aus den entgegengesetzten abgeredet wird. Und ebensostützen sich Anklage und Vertheidigung auf eben dieselben Gesichts-punkte: die Vertheidigung auf die abmahnenden, die Anklage auf diezuredenden. Beiläufig bildet diese Form die ganze rhetorische An-weisung des Pamphilos, wie die deS Kallippos ')-

22. Eine andere Form entnimmt ihre beweisende Kraft auSdemjenigen, was zwar der vorhandenen Meinung nach geschieht, aberan sich unglaublich ist, indem man so räsonnirt: die Meinung würdenicht vorhanden sein, wenn die Sache nicht wäre oder nahe bevor-stände. Ja, sie müsse nur um so mehr ihre Richtigkeit haben; in derRegel nämlich nehmen die Menschen nur das an, was wirklich ist oderwahrscheinlich ist; ist nun das, was sie annehmen, schwer glaublichoder unwahrscheinlich, so spricht alles dafür, daß es wahr sei, denn indiesem Falle ist offenbar nicht die Wahrscheinlichkeit und Glaublichkeitder Sache der Grund der bestehenden Meinung ^). Ein Beispiel lie-fert die Bemerkung des AndrokleS aus dem Demos Pitthis in seinerRede gegen das bekannte Gesetz, als sich über seine Aeußerung:DieGesetze bedürfen eines Gesetzes, das sie später verbessert," in der Ver-sammlung lärmender Widerspruch erhoben hatte.Bedürfen doch,"sagte er,auch die Seefische deS Salzes ^), obschon eS weder wahr-

1) Man sehe die Anmerkung 12 zu § 15. dieses Kapitels, lieber diekindische Dürftigkeit der Rhetorik des PamphiloS spricht Cicero sich auS inseinem großen Werke vom Redner III, Kap. 21., wo man die Ausleger Nach-sehen mag. Pamphilos war ein Schüler Platons, also Zeitgenosse des Aristo-teles, wie denn überhaupt die ganze Polemik deS Arist. in der Rhetorik gegenZeitgenossen gerichtet erscheint.

2)sondern (sehe man hinzu) die thatsächlichc Wirklichkeit und Erfahrung." ES läuft hinaus auf Sancho'S Spruch:wenn'S ist, wird'« wohl auch seinkönnen", den man im Leben bekanntlich oft gegen Menschen, die nicht zu den-ken gewohnt sind, besonders gegen Frauen, anzuwenden hat.

Bei der Zubereitung nämlich. AndrokleS, athenischer Staats-