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Zweites Buch.
18. Eine andere Form geht aus der Annahme hervor, daßwenn das Ergebniß dasselbe ist, auch die Dinge, aus denen das-selbe stammt, dieselben sind. So z. B. behauptete Kenophanes„die da behaupten, daß die Götter entstehen, begehen ebenso guteine Gotteslästerung, als die, welcbe sagen, daß die Götter sterben;denn unter beiden Annahmen ergibt sich, daß irgend einmal die Götternicht sind." Ueberhaupt aber kann man jedesmal das, was auseinem andern folgt, als einerlei mit diesem andern auffassen und z. B.sagen: „das Urlheil, das ihr zu fällen im Begriff seid, ist nicht einUrtheil über den Sokrates, sondern über eine Beschäftigung, es giltdie Frage, ob man pbilosophiren soll" ^). Ebenso kann man behaup-ten: „Erde und Wasser geben ist dasselbe, was sich in Knechtschaftgeben", und: „den gemeinsamen Frieden annehmen, ist nichts anderes,als sich dem Befehle fügen" ^). Der Redner hat hier nur zu sehen,auf welcher Seite das für ihn Brauchbare liegt.
19. Eine andere Form ergibt sich aus der Beobachtung, daßdieselben Menschen sich nicht immer für ein und dasselbe später ent-scheiden, wofür sie sich früher entschieden haben, sondern auch umge-kehrt handeln. Darauf gründet sich das folgende Enthhmem^):„Wenn wir als Flüchtlinge kämpften, um uns die Rückkehr in dieHeimath zu öffnen, sollen wir da jetzt, nachdem wir diese Rückkehr er-langt haben, fliehen, um nicht kämpfen zu müssen?" Die, zu denender Redende so sprach, stellten nämlich das einem«! das Zuhauseseinhöher, als die Gefahr des Kampfes, das anderemal stellten sie dieVermeidung des Kampfes höher, als den Verlust der Heimath.
1) S. die Anmerk, zu I, >5, § rs. und Brandis, Geschichte der griech.»rdm. Philosophie I, S. 3-4 ff. S. 360.
S) Wahrscheinlich aus der bereits oben angeführten Apologie des Sokratesvon ThevdekteS. S. zu § 15 d. Kap. Annierk. 40.
2) Welcher Frieden hier gemeint ist, weiß man nicht.
b) Dies Enthymem ist einer verlornen Rede des LysiaS entnommen, welchederselbe für einen vornehmen Athenischen Parteiführer versaßt hatte und vonder uns DionyfioS von Halikarnaß in seiner Biographie des LysiaS einengroße» Theil erhalten hat. Die von Arist. angeführte Stelle bezieht sich ansdie politische Situation Trasybul's und der Seinen in Athen, gegenüber denLakedaimoniern nach dem Sturze der dreißig Tyrannen.