Dreiundzwanzigstes Kapitel.
195
Ligen die Topen großtentheils schon bekannt '); denn es ist bereitsfrüher eine sorgfältige Zusammenstellung der Urtheile für jeden speziel-len Fall gegeben, und es sind also schon die Topen bezeichnet, ausdenen man Enthymeme zu bilden hat über das was gut oder böse,schön oder häßlich, gerecht oder ungerecht ist, und ebenso über sittlichenCharakter, Leidenschaften und Beschaffenheit der Menschen.— 17. In-dessen wollen wir doch noch auf eine andere Art von sämmtlichen Topenim Allgemeinen handeln, und zwar so, daß wir zugleich die Topengenau bezeichnen, je nachdem sie zum Widerlegen oder zum Beweisengeeignet, oder sofern sie anwendbar sind für die scheinbaren Enthymeme,die aber in Wahrheit keine Enthymeme sind, weil in ihnen überhauptkein Schließen statt findet. Sobald wir dies klar gemacht habenwerden, wollen wir die näheren Bestimmungen über die „Entkräftun-gen" und „Einwürfe" angeben und zeigen, woher man dieselbengegen die Enthymeme zu entnehmen habe.
Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Die erste Denkform (Topos) für die beweisenden Enthymemewird aus dem Begriffe des Entgegengesetzten genommen. Man hatnämlich zuzusehen, ob dem Entgegengesetzten das entgegengesetzte Prä-dikat zukommt, und verneinend zu schließen, wenn es nicht der Fallist, bejahend dagegen, wenn es der Fall ist; z. B.: „Mäßig sein istgut, denn unmäßig sein ist schädlich", oder wie es in der „MefsenischenRede" heißt 2): „wenn der Krieg die Ursache unsrer gegenwärtigenLeiden ist, so muß man denselben mittelst des Friedens abhelfen".MerO-)
Denn es ist Unrecht, Zorn auf den zu werfen, derUns UebleS wieder seinen Willen hat gethan,
So schulden wir auch dem, der Gutes uns gethanAns Noth dazu gezwungen, keine Dankespflicht.
i) Bgl. I, Kap. 4.
H lieber die „Messenische Rede" des Alkidania« s. die Anmerkung zur, iz. §. r.
H Diese Beispiele sind im Originale unverbunden hingestellt.
Aristoteles' Rhetorik. 13