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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Aristoteles, Redekunst.

daß ihnen etwas passieren werde, und zwarvondicsenbestimmtcn In-dividuen und diese bestimmte Sache und zu dieser bestimmten Zeit.

14. Was nun diejenigen anlangt, welche nicht meinen, daßihnen ein Leid passieren werde, so sind das einerseits die, welche ingroßem Glücke leben und zu leben scheinen ^ und deshalb über-mütige, geringschätzendeundfreche Gesellen sind wozu Reichtum,Körperkraft, zahlreicher Anhang und Machteinfluß die Menschen zumachen pflegt, andererseits diejenigen, welche bereits allesSchrccklichedurchgemacht zu haben glauben und gegen das, was die Zukunftbringen kann, gleichgiltig geworden sind^, wie die, welche bereitssich auf dem Schaffotte befinden. Denn zur Furcht gehört, daß nochirgend eine Hoffnung auf Rettung vor demjenigen, worüber wirin Angst sind, vorhanden sei. Beweis: die Furcht macht dieMenschen ratschlägerisch, und doch ratschlagt kein Mensch überDinge, wo keine Hoffnung mehr vorhanden ist.

15. Daher muß der Redner, wenn es in seinem Interesseliegt, daß die Zuhörer Furcht empfinden, sie in eine solche Verfassungsetzen, daß sie sich für Leute halten, denen etwas Schlimmes wider-fahren könne, muß ihnen zeigen, daß schon Besseren, als sie, der-gleichen begegnet sei und daß die Leute ihresgleichen entwederjetzt dergleichen wirklich erleiden oder erlitten haben, und zwar vonsolchen, von denen sie es nicht vermuteten, und Dinge derartund zu einer Zeit, wie und wo sie es nicht vermuteten.

16. Da nun klar ist, was die Furcht ist und welche Dingefurchterregend sind und in welcher Verfassung sich jeder von unsfürchtet, so ist damit auch zugleich klar, was das Mutigsein istund von welcher Art die Dinge sind, welche Mut einflößen, und inwelcher Verfassung wir mutig sind. Denn der Mut ist das Gegen-teil der Furcht und das Muteinflößende das Gegenteil desFurchterregenden; es ist also die mit der Vorstellung der als nahe

1. Scheinen nach ihrem eigenen und der Welt Urteil.

2. Wie Shakspeare's Macbeth von sich sagt:

Verloren Hab' ich fast den Sinn der Furcht.

Ich habe mit dem Grau'n zu Nacht gespeist.