Zweites Buch. Fünftes Kapitel.
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10. Ferner diejenigen, welche selbst stärkeren, als wir, Furcht er-regen; denn, schließen wir, wenn sie selbst stärkeren, als wir, zuschaden vermögen, um wieviel mehr uns! Aus demselben Grundesind uns auch diejenigen furchtbar, vor welchen sich Leute fürchten,die stärker sind, als sie. — 11. Ferner diejenigen, welche schon stär-kere, als wir sind, zu Boden gebracht haben. Ferner die, welcheschwächere, als wir sind, verfolgen; denn solche sind entweder schonjetzt zu fürchten oder jedenfalls nach Vermehrung ihrerKraft. Fernerunter den Beleidigten und uns feindlich Gesinnten oder unserenWidersachern nicht die hitzigen und offenen, sondern die Leisetreter,die Ironischen und Tückebolde; denn man kann nicht merken, ob sienahe daran sind si so daß man also niemals gewiß ist, daß sie ferndavon sind.
12. Alles Furchtbare aberwird umsofurchtbarer, wenn es derartist, daß es,wennwirihmrechtzeitigzubegegnenverfehlen,nichtwiedcrgut gemacht werden kann, sondern entweder überhaupt unherstellbarist oder jedenfalls nicht in unserer, sondern in unserer GegnerHandliegt. Ferner alles, wogegen es entweder gar keine oder doch nichtleicht Hilfe gibt. Mit einem Worte gesagt: Furchtbar (für uns) istalles, was, wenn es anderen geschieht oder bevorsteht, unser Mit-leid erregt.
Dies sind also so zu sagen die hauptsächlichsten Dinge, welchefurchterregend sind und vor denen man sich fürchtet. Jetzt wollenwir angeben, in welchen Zuständen^ man sich fürchtet.
13. Wenn die Furcht, wie wir sahen, verbunden ist mit derErwartung, daßwirirgendeinzerstörendesErlebnis erleidenwerden,so liegt cs am Tage, daß kein Mensch Furcht empfindet, der dameint, daß ihm überhaupt nichts geschehen werde, und daß dieMenschen sich ebcnsowenig vor Dingen fürchten, von denen sie meinen,daß sie ihnen nicht passieren können, noch vor Leuten, von denen siesich keiner feindseligen Handlung versahen, noch in einem Zcitmo-mente, wo sie sich keines Schlimmen versahen. Daraus folgt nun mitNotwendigkeit, daß sich überhaupt nur die fürchten, welche meinen,
1. Nämlich: einen Streich gegen uns zu führen.
2. In welcher Lage und Verfassung und unter welchen Umständen.