Druckschrift 
2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

4

Aristoteles, Redekunst.

von Ata'rneus an der Küste voll Mysicn? nnd sein Auf-enthalt auf der Insel Le'sbos als feste Punkte bekannt sind.

Die vierte Lebensperiode umfaßt die acht Jahre seinesAufenthalts in Makedonien (343335 v. Chr.), von denener vier Jahre als Lehrer nnd Erzieher Alexanders desGroßen am Königshofe zu Pe'lla zubrachte.

Von Makedonien aus ging er im Jahre 335 nachAthen zurück, woselbst er sich fortall dauernd niederlicß.Die dreizehn Jahre dieses zweiten athenischen Aufenthaltsbilden die Epoche seiner Thätigkeit als Gründer der pcripa-te'tischen Schule, wahrend zugleich die Vollendung der über-wiegenden Mehrzahl seiner die ganze Welt des Wissensunpassenden schriftstellerischeil Werke in diese Zeit zu setzenist. Durch politische Unruhen, welche in Athen auf dieNachricht von dein Tode Alexanders des Großen ausge-brochen waren und ihm selbst gefährlich zu werden drohten,von dort vertrieben, flüchtete er nach Cha'lkis in Enbö'a, woer im Herbste des Jahres 322, wenige Wochen vor seinemgroßen Zeitgenossen Demosthenes, im dreinndsechzigstcnLebensjahre an einem chronischen Magenleiden starb?

Die Zeit mm, in welche die Abfassung unserer Rhe-torik zu setzen ist, fällt in die letzten acht bis zehn Jahrevon Aristoteles' erstem Aufenthalte zu Athen. Den Beweisdafür liefern zwei Umstände. Erstens die historisch fest-stehende Thatsache, daß die ersten Anfänge selbständigerLehrvorträge, mit welchen Aristoteles noch bei LebzeitenPlatons zu Athen anftrat, die Rhetorik behandelten. Zwei-tens der Umstand, daß mit wenigen geringen Ausnahmenalle in der uns erhaltenen Rhetorik beispielsweise angeführtenZeitereignisse ans der athenischen Geschichte sich aus solche

1. Über ihn s. die treffliche Monographie von Böckh, Hermiasvon Atarneus und sein Bündnis mit den Erythrä'ern, 1853, S. 4 ff., 'und Stahr, Aristoteli'a, I, S. 6384; S. 144 und II, S. 288.

2. Vgl. das Leben des Aristoteles von Stagira im ersten Teile derAristotelia von Adolf Stahr, S. 23-160.