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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Die Berechtigung der Allegorie.

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XI.I.

Die Berechtigung der Allegorie.

Aber", könnte inan mir entgegenhalten,wenn die Künstler, obgleichsie, wie du sagst, selbst die Unzulänglichkeit ihrer Mittel empfanden,dennoch immer wieder zur Allegorie zurückkehrten; wenn das Publicumallegorische Kunstwerke von ihnen verlangte und dieselben bewunderte:folgt denn daraus nicht die Berechtigung allegorischer Kunstwerke?Und liegt sie nicht gerade für die monumentale Kunst in dem Be-dürfniß des Publicums ebensosehr wie der Künstler, Gedankendauernden sinnlichen Ausdruck zu leihen?" Gewiß; aber mit Unter-schied. Wenn ein concret, sinnlich denkendes Volk sich allgemeine Be-griffe zu eigen machen will, so verwandelt es dieselben in Concreta.So entsteht die Götterwelt des Alterthums. Und auch, wenn das re-ligiöse Bedürfniß befriedigt ist, schaffen Dichter und Denker zunächstnoch in derselben Weise neue Gestalten, und was sie geschaffen, dasbilden die Künstler, und so weit die allegorischen Gestalten jener inder Seele des Volkes lebendig gewordeä sind, so weit werden es auchdie allegorischen Bildwerke. Und wenn den concret, sinnlich denkendenVölkern des Mittelalters der Vorstellungskreis der Kirche nicht mehrgenügte, wenn sie neue Vorstellungskreise aufsuchten: da war die Art,wie sie die allgemeinen Begriffe sich zu eigen machten, die, daß siedieselben als Personen, als allegorische Figuren dachten. Und wie dieDichter, vom Hornan cko la rose bis Spenser und Rabelais,so verfuhren die Künstler, von Orcagna bis aus Dürer undMichelangelo. Nur ein Thor könnte für diese Zeiten und Menschendie Berechtigung, ja die unabweisliche Nothwendigkeit der Allegorieleugnen.

Wir Modernen aber denken abstract, wir sind gewöhnt, imEinzelnen das Allgemeine zu erkennen; und wenn man uns all-gemeine Begriffe sinnlich darstellen will, so braucht man uns nur dieconcreten Gestalten zu zeigen, von denen sie abstrahirt sind. Wir er-kennen in dem Arbeitenden die Arbeit, in dem Faulen die Faulheit,iu dem Krieger den Krieg. Und darum braucht man uns die ab-stracten Begriffe nicht vorzustellen als, sondern durch concrete Ge-stalten, durch Typen. Und zwar können diese Typen zweierlei Art