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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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181
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Die Befähigung der Kunst zur Darstellung allegorischer Figuren. 181

Ein Hammer, ein Zahnrad in den Händen, ein Ambos zur Seiteeines kräftigen Mannes charakterifiren ihn als Maschinenarbeiter,vielleicht auch als modern aufgefaßten Vulcan; aber wenn das Preis-verzeichniß der Gebrüder Micheli in Berlin von einer Statue Tond eursfolgende Beschreibung giebt:Eine markige Gestalt mit kräftigenFormen und ernstein Antlitz" (natürlich mit griechischem Gewand)trägt sie auf der rechten Schulter den wuchtigen Hammer, währendsie ein mit der Linken ergriffenes Zahnrad aus einen Ambos stützt.So versinnbildlicht sie durch den Maschinenbau, den hervorragendstenZweig moderner Industrie, diese selbst": so sind Hammer, Zahnradund Ambos doch nicht inehr charakteristische Attribute, sondern lediglichEmbleme, conventionelle Zeichen, oder eigentlich auch das noch nicht,sondern vorerst Versuche solcher Zeichen; ob sie conventionell werden,hängt von der Gefälligkeit des Publicums ab. Aber das ist nicht dasSchlimmste; sondern in der historischen Kunst verschmelzen die Zeichenwillkürlicher Dinge mit den Zeichen natürlicher Dinge, mit den Per-sonen, und das Gesammtbild wird so zu einem natürlichen Zeichen;in der allegorischen Kunst werden durch den Zutritt des will-kürlichen Zeichens auch die natürlichen in willkürliche ver-wandelt: die historische Kunst macht aus der concreten Figur einIndividuum, die allegorische ein Abstractum.

Dazu kommt nun noch die geringere Verständlichkeit der alle-gorischen Attribute im Vergleich zu den historischen. Znm Verständnis)der letzteren ist ein gewisser Grad von Bildung erforderlich, zumVerständniß der elfteren Gelehrsamkeit. Und das fällt um so mehrins Gewicht, als gerade die allegorischen Kunstwerke zum größtenTheil der monumentalen Kunst angehören, also sich an das Ver-ständniß der Massen wenden; wie das alles Blümner (a. a. O.)vortrefflich ausgeführt hat.

Aber wenn ich sagte, die allegorische Kunst mache aus der con-creten Gestalt ein Abstractum, so habe ich mich nicht richtig ausgedrückt;ich hätte sagen sollen: sie möchte machen. Denn sie kann es nicht,so weit nicht, wie ich oben gesagt, Dichtung oder Religion ihr vor-gearbeitet haben. Nur wenn der Beschauer die entsprechende Vor-stellung in seiner Seele mitbringt, vermag er sie in dem Kunstwerk zuerkennen. Das Glück, die Liebe, den Sieg, den Tod erkennen wir imBilde, weil wir sie als Personen zu denken gewohnt sind. Wo dies