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Die Unfruchtbarkeit der höchsten Staffel des Affects.
ein früherer oder ein späterer oder der Culminations-punct der Handlung selbst ist, darüber läßt sich keine all-gemeine Regel aus st eilen." Dabei möchte ich nun zunächst diemerkwürdige Thatsache constatiren, daß Blümner, wenn wir aus diesemSatze das Wort „oder der Culminationspunet der Handlung selbst"weglassen, sich mit Lessing in der denkbar vollständigsten Ueberein-stimmung befindet, daß es namentlich auch Lessing niemals in denSinn gekommen ist, eine solche „allgemeine Regel" aufstellen zu wollen.Aber das sei dahingestellt; das Wesentliche ist, daß Blümner trotzaller Gewissenhaftigkeit und Vorsicht, mit der seine Untersuchung ge-führt ist, dennoch zu falschen Resultaten gelangt, und zwar aus fol-genden Gründen.
Erstens dehnt er seine Untersuchung über ein viel zu weites Ge-biet aus. Lessing — der Leser möge mir verzeihen, wenn ich dasschon so oft Gesagte noch einmal wiederhole; aber eine Verständi-gung in diesen Dingen ist nur möglich, wenn wir uns in jedemAugenblicke ganz genau bewußt sind, um was es sich handelt —Lessing also spricht von der Darstellung von Handlungen, undzwar, wie Blümner selbst hervorhebt, von „mit lebhaftem einer Steige-rung und einer Abnahme fähigem Asfect" verbundenen Handlungen,von solchen, „bei denen die Hauptträger der Handlung zugleich ineinem allmählich bis zu einem gewissen Höhenpnncte aufsteigendenund auf diesem entweder endigenden oder von da ab wieder herab-sinkenden Affecte sich befinden". Dann darf Blümner aber doch wedermit Orcagnas Triumph des Todes, in dem gar kein Auf- und Ab-steigen stattfindet, noch mit Rafaels Tod des Ananias und Blen-dung des Elymas, in welchen der Höhenpunct plötzlich eintritt,gegen Lessing operiren. Ferner hat Lessing, wie aus seinen Wortenaufs deutlichste hervorgeht, nur solche Handlungen im Auge, beiwelchen sich der Asfect bis zu einem „Aeußersten" steigert: so daßein Beispiel, wie die östliche Giebelgrnppe des Parthenon (der Wett-streit zwischen Poseidon und Athene), oder wie Myrons Athene undMarsyas, nicht das Mindeste gegen ihn beweist.
Zweitens saßt Blümner den Begriff „Augenblick" nicht scharfgenug. Wenn Lessing „Augenblick" sagt, so meint er damit wirk-lich einen Augenblick, nicht ein Weilchen. In Blümners Be-hauptung, daß „die christliche Kunst sich nie davor gescheut habe, die