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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Ausnahme von dem Gesetz des einzigen Augenblicks.

Hiermit hängt denn auch die Frage nach der künstlerischenBerechtigung der Panoramen zusammen. Dabei müssen wiraber einen Unterschied machen. Unzweifelhaft folgt aus demGesagten die Berechtigung landschaftlicher Panoramen. Zwarmüßten streng genommen auch sie von dem eigentlichen Gebiete derschönen Kunst ausgeschlossen werden, weil sie einen Theil der Mittelihrer Wirkung von anderen Künsten oder Handwerken borgen. Aberwer wäre nicht geneigt den Rigorismus dieses Standpunktes aufzn-geben, wenn er sieht, daß mit Hülfe dieser Mittel Bilder von so ent-zückender Schönheit erzielt werden, wie das Wilbergsche Panoramades Golfs von Neapel (auf der internationalen Fischereiausstellung inBerlin 1880) und besonders das Pergamon-Panorama der Jubiläums-ausstellung?

Aber Schlachten-Panoramen! Da ist der Beschauer in denMittelpunct einer Handlung gestellt, die um ihn herum vorgeht; umsie zu sehen, muß er sich in einem kleinen Kreise herumdrehen: seinBlick haftet aus den Jägern, die einen Hügel hinanklettern, den Rei-tern, die mit geschwungenem Säbel zu ihrer Abwehr herbeifliegen;von da wendet er sich weiter, und indem er seine Blicke vorwärtsschweifen läßt, hat er die unwillkürliche Empfindung, daß die Dinge,welche er sieht, mit ihm vorschreiten, er glaubt, daß, was er nach-einander erblickt, auch nacheinander geschehe; bis er plötzlich nacheiner halben Stunde etwa dieselben Jäger und Reiter noch indenselben gewaltsamen Stellungen vor sich sieht und nun merkt, daßwährend dieser ganzen Zeit die Handlung still gestanden hat.

Das mag denn so virtuos gemalt sein, wie es will, und derlandschaftliche Hintergrund mag die bewunderungswürdigsten Tiefenund Fernen zeigen: aber es ist und bleibt unkünstlerisch, oder, umwieder das Schillersche Wort zu brauchen, es gehört nicht zur schönen,sondern zur angenehmen Kunst.

Schließlich muß ich noch ein Werk erwähnen, welches eine eigen-thümliche Zwischenstellung einnimmt, und welches nach meiner Ansichtgar nicht zu verstehen, sicherlich nicht richtig zu würdigen ist, wennman nicht das eben Entwickelte in Betracht zieht. Ich rede vonMichelangelos jüngstem Gericht. Dasselbe war bestimmt, miteinem Male, von einem Gesichtspuncte aus gesehen zu werden, unddieser Bestimmung entsprach es durch die schon oben von mir