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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Die Landschaft.

richtigen Gedanken. Allein Herr Justi hat doch auch zu großes Un-glück mit seiner Lessingkritik. Endlich kommt einmal ein Satz, denman ihm zugeben kann; aber leider ist Herr Justi nicht der Erste,der diesen Gedanken gehabt hat; schon lange vor ihm hat denselbenein Anderer ausgesprochen, und dieser Andere heißt Lessing. Ja, ja,Herr Justi, Gotthold Ephraim Lessing.Der Maler, der nach derBeschreibung eines Thomsons eine schöne Landschaft darstellt, hat mehrgethan, als der sie gerade von der Natur copirt. Dieser siehet seinUrbild vor sich; jener muß erst seine Einbildungskraft so anstrengen,bis er es vor sich zu sehen glaubet. Dieser macht aus lebhaften sinn-lichen Eindrücken etwas Schönes; jener aus schwanken und schwachenVorstellungen willkürlicher Zeichen." Das steht zu lesen in LessingsLaokoon, im elften Abschnitt (S. 133 s231ft.

Die Sache ist die. Lessing hatte sich für seine persönliche Gering-schätzung der Landschaftsmalern (die er ja wohl bis an sein Lebens-ende beibehalten haben mag) eine hübsche Theorie zurechtgemacht undhatte für deren Entwickelung im zweiten Theile des Laokoon schon denPlatz festgesetzt (3, zweiter Abschn. IX). Aber, als er den ersten Theildes Laokoon ausarbeitete, machte er, wie aus der eben angeführtenStelle hervorgeht, die Entdeckung, daß der Landschaftsmaler nicht bloßmit dem Auge und der Hand arbeitet, sondern auch an seinem Werkedas Genie Antheil hat. Er sah also ein, daß seine Theorie nichtrichtig sei, und in Folge dessen gab er sie ich möchte sagen: aus-drücklich aus, indem er sie in die Disposition des zweiten Theils(1), wie ich schon oben gesagt habe, nicht aufüahm.

Wir haben also nicht das mindeste Recht, von LessingsVer-urtheilung der Landschaft" zu reden.

Es hat ja seine Berechtigung, daß man von großen Menschenjede Spur ihres Schaffens sammelt und der Nachwelt mittheilt, ihrso einen Einblick in die Art und Weise dieses Schaffens ermöglicht.Wenn aber Jemand aus dem Kehricht einer Bildhauerwerkstatt einenzerdrückten Thonklumpen, den der Meister weggeworfen, hervorholteund dem Publikum zuriefe:Seht, auch solche Köpfe hat euer großerMeister gebildet!", man würde ihn seine Narrheit oder Böswilligkeitentgelten lassen. Aber der Schriftsteller muß cs sich gefallen lassen,daß ein Gedanke, den er einmal gehabt und dann als unrichtig beiSeite geworfen, hervorgeholt und der Welt schlankweg als ein Theil