Wechselwirkung.
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XXVI.
Wechselwirkung.
Nach dein wir in dem Vorigen Idealismus und Realismus inBezug aus den Stoff und Idealismus und Realismus in Bezug ausdie Darstellung als zwei ganz verschiedene Dinge hingestellt haben,werden wir jetzt doch auch auf die Wechselwirkung Hinweisen müssen,die zwischen beiden unläugbar besteht. Und zwar möchte ich dasGesetz derselben dahin aussprechen, daß dem idealistischen Stoffe derRealismus der Darstellung, dem realistischen Stoffe der Idealismusder Darstellung das Gegengewicht halten soll. Daß dies Gesetz dieProbe der Erfahrung besteht, wird aus wenigen Andeutungen klarwerden. Für die erste Seite verweise ich wieder auf den Unterschieddes Byzantinismus und der Kunst des Treceuto, ferner auf denUnterschied der überzarten und kränklichen Romantik der älteren Düssel-dorfer von der kräftigen lebenswarmeu Schwinds, und besondersauf die Wirkung der realistischen Behandlung historischer Stoffe.')Mau könnte mir nun hierbei einwerfen, wie ich dann über die Ver-suche Gebhardts oder Munkacsys, biblische Stoffe realistisch dar-zustellen, so abfällig urtheilen könne. Aber ich habe darauf schongeantwortet: Christus und die übrigen Heldengestalten der Bibel er-scheinen dem Bewußtsein der Menschen eben nicht als historische,einem bestimmten Zeitalter und Volksthum ungehörige'Wesen, sondernals über die Menschheit erhabene, für die die Kunst die idealen Typen,unter denen sie uns erkennbar und vertraut sind, längst gefunden hat.Ihnen gegenüber besteht der wahre Realismus in der Bei-behaltung oder weiteren Durchbildung dieser idealen Typen; esist nicht gerade nöthig, daß man sich, wie Thoma in seiner Grab-legung (Gurlitts Herbstausstellung 1885) thut, den häßlichstenderselben aussucht; aber er wird damit auf die Dauer immer nochmehr Wirkung erzielen, als Jene mit ihrem — echten oder samojedi-schen — historischen Costüm. Noch mißlungener freilich scheint mirder Versuch, euren im Antlitz den idealen Typus zeigenden, im Costüm
y Brauche ich nachzuweisen, daß aller historische Stoff idealistisch ist, in-sofern er Abwesendes, Vergangenes als gegenwärtig darstellen will?