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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Idealismus und Realismus.

aufs deutlichste verfolgen, wie das Zurückdrängeu des einen Elementsdurch das andere alle diejenigen Richtungen zur Folge hat, die wir als Ein-seitigkeiten und Abirrungen, und auf ihren Höhepuncten als dem Gebieteder Kunst nicht mehr angehörig bezeichnet haben: der Realismus, auf dieeinseitige Spitze der Darstellung des Zufälligen getrieben, führt zujener peinlichen und handwerksmäßigen Wiedergabe des Details, wiewir sie etwa bei Balthasar Denner finden; auf die Darstellung deraugenblicklichen Erscheinung zugespitzt, führt er zu dem Verzicht auskünstlerische Anordnung in Gruppirung, Beleuchtung, Stellung, kurzzum Naturalismus, und in weiterer Steigerung zu derjenigen Selbst-vernichtung der Kunst, wie sie in den Grundsätzen und Werken derImpressionisten erscheint. Und auf seiten des Idealismus führt daseinseitige Streben nach Erfassung des Wesens als des Bleibenden,Ewigen, zur Vermeidung oder mindestens Abschwächung jedes tran-sitorischen Ausdrucks, als eines Vorübergehenden, also zu dein klassischenManierismus eines Mengs oder dem christlichen der Nazarener, undin weiterer Consequenz auch wohl zur Verbannung der Farbe, alseiner zufälligen und wechselvollen Eigenschaft, und somit zur Einengungder Kunst auf das Gebiet der Zeichnung oder der Sculptur. Unddasselbe Streben nach Erfassung des Wesens als des Innerlichen,Geistigen führt zu der willkürlichen Behandlung der Form, dergänzlichen Vernachlässigung derselben, wie sie uns bei den By-zantinern, der rücksichtslosen Unterordnung des Natürlichenunter das Bedeutende, wie'sie uns allerdings bei keinemGeringeren als Michelangelo, wenn auch uur in einzelnen Figuren,begegnet.

Wenn wir also einen Künstler in Bezug auf die Art nnd dasZiel seines Schaffens als Idealisten oder Realisten bezeichnen, so kanndas nur den Sinn haben, daß die eine der beiden Richtungen, die auf dieDarstellung des Wesens oder die auf die Darstellung der Erscheinung,am schärften in ihm ausgeprägt ist. Vielfach dürfte die Entscheidunghierüber überhaupt nicht möglich sein. Denn wenn wir allgemein alsdie Eigenthümlichkeit idealistischen Schaffens das bezeichnen, daßder Künstler das Bild, welches er darstellen will, aus seinem Innernhervorholt, so wissen wir doch heute was freilich zur Zeit Lessingsnicht so allgemein bekannt war, als dreihundert Jahre zuvor daßbei den wahren Künstlern aller Zeiten nicht nur dieses Bild aus dem