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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Idealismus und Realismus.

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enthalte mich eines näheren Eingehens, Lei welchem ich einerseits michnothwendig wiederholen, andrerseits, wenn ich die Frage irgend er-schöpfend behandeln wollte, das gesammte Gebiet von Kunst und Poesiein die Untersuchung hineinziehen müßte. Aber der Charakter desKunstwerks, auf den es uns ja allein ankommts ist eben so sehr, alsdurch den Stoff, durch die Darstellung desselben bedingt. Wir habendaher den Gegensatz von Idealismus und Realismus noch insofern zubetrachten, als sich aus demselben Principien der Darstellung, undzwar speciell für die bildende Kunst, ableiten lassen. Dabei zeigt sichsofort eine Abschwächung des Gegensatzes. Der künstlerische Idea-lismus, wie wir ihn wohl nennen dürfen, streift der Erscheinung dasZufällige, Augenblickliche ab und findet die Wahrheit in der Dar-stellung des Bleibenden. Ihm erscheint die Falte im Gesicht, die be-sondere Farbe, der körperliche Fehler als etwas Unwesentliches, einestörende Unvollkommenheit; der Realismus sieht darin gerade dasCharakteristische, durch dessen Beseitigung die individuelle Wahrheitleiden würde. Jenem ist Costüm und Alles, was dazu gehört, einestörende Beigabe, nur geeignet, das Wesen zu verhüllen, und er be-seitigt es daher, so weit es irgend angeht; dieser hält es als wesent-lichen Theil der äußeren Erscheinung mit ängstlicher Treue fest. Daaber die bildende Kunst das Wesen der Dinge überhaupt nur inso-fern darzustellen vermag, als es in der äußeren Erscheinung zuTage tritt, so kann hier nicht nur von einem Idealismus, welcher dieletztere verneinte, keine Rede sein; sondern Idealismus und Rea-lismus als Principien der Darstellung schließen sich auch nicht gegen-seitig aus, so daß etwa in einem Zeitalter der Eine oder der Anderedie Alleinherrschaft hätte, oder beide, als getrennte Richtungen, nebeneinander herliefen; vielmehr sind sie zu jeder Zeit und in jedemeinzelnen Künstler vereinigt. Es kann auch gar nicht anders sein.Denn was die Kunst als Technik allein wiederzugeben vermag, istdie sinnliche Erscheinung, und wer diese nicht darstellen könnteoder nicht darstellen wollte, der wäre vielleicht ein großer Denker oderDichter, aber kein Künstler. Und was die Kunst, als Kunst, dar-stellen will, ist, wie wir immer wieder betont haben, die Voll-kommenheit des Gegenstandes, also ein Theil seines Wesens, undwer darauf verzichtet, diese darzustellen, der kann ein guter Handwerkersein oder ein elender Pfuscher, aber kein Künstler. Und wir können

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