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Malerische und poetische Wirkung.
und Gustav Richters Königin Luise, Lionardos Abendmahl undMenzels Tafelrunde in Sanssouci — sie alle gleichen sich in demEinen: der vollendeten Einheit von Form und Inhalt.
Da aber nur wenige Zeitalter und in jedem nur wenige Künstlerund diese nur in wenigen Werken die höchste Höhe der Kunst er-reichen, so werden wir allerdings im Allgemeinen, sowohl für mancheZeitalter, als innerhalb derselben für manche Künstler, ein Überwiegender Seite des Schönen oder der des Bedeuten den zugeben müssen.Dabei werden wir jedoch Rücksicht nehmen müssen auf das, was wirüber den Unterschied des permanenten und des transitorischen Aus-drucks gesagt haben, daß dieser der Ausdruck von Handlungen undLeidenschaften ist, jener der Ausdruck des Charakters oder der dauern-den Beschaffenheit des Gemüths, oder, um die aristotelischen Bezeich-nungen, als die schärfsten, anzuwenden, der transitorische Ausdruck derdes Pathos, der permanente der des Ethos. Ohne diesen Gegen-satz können wir uns zum Beispiel den Unterschied von Rafael undMichelangelo gar nicht klar machen, oder den der Perikleischen undPergamenischen Kunst. —
Aber wenn wir nun sehen, wie die verschiedenen Richtungen ein-ander fast niemals rein gegenüberstehen; wie derjenige Maler, demvielleicht am meisten von Allen an der eigentlich malerischen Wirkung,an der Darstellung schöner Formen und Farben gelegen ist, wieRubens das stärkste drastischste Pathos bis weit über die Grenzendes Erlaubten hinaus zur Darstellung bringt, und dann wieder, indem Gastmahl des Herodes, den ergreifendsten Ausdruck innerhalbder Grenzen reinster Schönheit zu finden weiß; wie ein Anderer, dergerade beständig aus das Bedeutende, aus die poetische Wirkung hin-zielt — Cornelius —, dabei doch bis zur Ängstlichkeit alles ver-meidet, was die Schönheit der Gesammtcomposition, die Harmonieder Linien stören könnte; wie bei den Niederländern, die wir ja alsHauptvertreter des „Charakteristischen" anerkannt haben, doch — ganzabgesehen von Rubens und seiner Schule — zwei Richtungen, derenZiele ich als „stilles Behagen" und — nach unfern Begriffen —„rohe Krastäußerung" bezeichnen möchte, sich scharf genug gegenüber-stehen; wie endlich in der Kunst der Gegenwart, auch nach völligerAusscheidung des Ungehörigen, alle jene Richtungen sich kreuzen undmischen: so können wir uns der Überzeugung nicht verschließen, daß