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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Beschränkung des Gebietes durch die Rücksicht auf die Wirkung. 81

mindestens nicht zu einer festen Grenzbestimmung. Das ist aber aufanderem Wege möglich. Indem die Kunst ihr Gebiet in der in Redestehenden Weise erweitert, hat sie offenbar die Absicht, zu der Wir-kung, welche die Betrachtung der körperlichen Schönheit ausübt, eineandere zu gesellen, welche wir im Gegensätze zu jener, der malerischen,am Besten als die poetische werden bezeichnen können, da sie aufdemjenigen beruht, dem die Poesie ihre Wirkung verdankt, auf derDarstellung der menschlichen Leidenschaften. Folglich werden auchdie Bedingungen dieser Wirkung für das Gemälde dieselben sein, wiefür die Dichtung. Nun wissen wir, daß die Wirkung der Poesie, derepischen sowohl, wie der dramatischen, so weit sie es mit höherenGraden von Leidenschaften zu thun hat, auf dem beruht, was Aristo-teles als Katharsis bezeichnete. Trauerspiel und Schauspiel (in ge-ringerem Maße das Lustspiel), Epos und Roman versetzen, indem siein dem Zuschauer oder Leser Furcht und Mitleid für den Helden er-regen, jene in einen Zustand erhöhter Aufregung, welcher durch dieLösung der Dichtung in ein Gefühl des wiederhergestellten Gleich-gewichts, der Befreiung und Genesung der Seele umgewandelt wird.Diese Wirkung nun knüpft Aristoteles für das Drama an die, ganzebenso für alle übrigen Dichtungsarten geltende, Bedingung, daß derHeld kein ganz unschuldiger Mensch sein dürfe; denn das Leiden einessolchen sei gräßlich (^««§och; bei dessen Anblick werde Furcht undMitleid übertüubt durch das Gefühl der Empörung. Nun habenwir uns längst mit Lessing geeinigt, daß die Berechtigung einer Kunst,etwas darzustellen, in ihrer Befähigung liege, es besser als jede anderedarzustellen; der Punct aber, welcher der Malerei das Recht giebt,menschliches Leiden darzustellen, ist offenbar der, daß sie es besserals selbst die dramatische Kunst (diese nur augenblicklich, die Malereiaber dauernd) uns sichtbar vor die Augen stellen kann. Dar-aus folgt aber mit Nothwendigkeit, da dasjenige, was in der Poesieempörend wirkt, es in der Malerei vermöge der Dauer in erhöhtemGrade thun muß, daß die Malerei noch weniger als diePoesie das Empörende zum Gegenstände der Darstellungmachen darf.

Diesem Satze scheint freilich die gesammte Geschichte der christ-lichen Kunst zu widersprechen. Denn der Inhalt der letzteren ist jazum großen Theil das Leiden des völlig Unschuldigen, und zwar ein

Fischer, Laokoon. g