Die Schönheit der Linien in der Malerei.
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auch der Plastik zu Gute zu kommen, wozu sie ja, wie es den An-schein hat, wieder in ausgedehnterem Maße berufen werden soll. Obund in wie weit zum Vortheil der Plastik, und ob dauernd, oder nurals Modesache: das kann ich, da Lessings Laokoou keine Beziehungdarauf enthält, füglich dahingestellt sein lassen. In dem Gradewesentliches Hülfsmittel für die Plastik, wie sür die Malerei, ist siedoch jedenfalls nicht; sonst würden nicht zwei große Perioden derKunstentwickelung, deren eine einen Michelangelo, die andere einenThorwaldsen unter ihren Meistern zählt, ohne sie fertig gewordensein, st Und ebenso kann ich die gelegentlich (als Anmerkung zuHielmräson, traitö äo In peinturo, H. 7, 29 sB. O, 7s S. 285)hingeworfenen Bemerkungen Lessings über die Entbehrlichkeit derKunst des Oelmalens mit Stillschweigen übergehen, da er dieselbenweder im Laokoon verwerthet hat, noch in dem Entwürfe des zweitenTheils sich die geringste Spur davon findet, daß er die Absicht gehabthabe, sie daselbst zu verwerthen.st
Das oben angegebene Verhältmß der Färbung zur ZeichnungZeigt sich besonders bei der Betrachtung von Gemälden solcher Künstler,welche die eine oder die andere besonders bevorzugt oder vernach-lässigt haben. Und zwar darf man geradezu sagen: wir empfindendie Vernachlässigung der Färbung als einen Mangel, die Vernach-lässigung der Zeichnung als einen Fehler. Wir bedauern, daßCornelius in der Farbe so trocken, so ungefällig ist; aber wir tadelngewisse Bilder Makarts (wie die Pest in Florenz, Abundantia, Kleo-patra) wegen der incorrecten Zeichnung, der falschen Verkürzungen u.dergl. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß die Färbung nichtim Stande wäre, — nicht bloß dem unachtsamen Beschauer wirkliche
st Ich glaube nicht, daß dies Argument durch den Hinweis auf den spanischenBildhauer Zarcillo oder Salcillo, oder auf die japanische Sculptur wider-legt werden kann. Der Uebereifer gewisser Berliner Kritiker muß eben von Zeitzu Zeit in Helle Flammen ausschlagen. Vor zwei Jahren thaten dieselben Herren,als ob es vor dem Zurückgehen auf die hohen Mansardendächer der cisalpinenRenaissance keine moderne Baukunst gegeben hätte, jetzt möchten sie einen Künstleraus Japan kommen lassen, um die Thorwaldsensche Venus zu bemalen.
st Justi (Winckelmann, II, 2 S. 244) freilich hat den Muth, einen augen-blicklichen, aus der Lectüre eines Buches hervorgegangenen Einfall, den Lessingsich flüchtig notirt und von dem er nie weiteren Gebrauch macht, — sür „eineArt Traubenschuß gegen das Colorit" zu erklären.