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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Der Lessingsche Schönheitsbegriff.

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zehn Jahre später (1768, zwei Jahre nach Erscheinen des Laokoon)schreibt:ich würde mit den eigenen Abhandlungen, die ich dazumachen wollen, jetzt sicherlich sehr unzufrieden sein" (H. XX, I, Nr. 158,S. 295), in diesen Bemerkungen heißt es:Die Vollkommenheit istdie Einheit im Mannigfaltigen.

Bei der unendlichen Vorstellung der Einheit im Mannigfaltigenist entweder der Begriff der Einheit oder der Begriff der Mannig-faltigkeit der klarste. Die undeutliche Vorstellung einer Vollkommen-heit, in welcher der Begriff der Einheit der klarste ist, nennen wirschön. Die undeutliche Vorstellung einer Vollkommenheit, in welcherder Begriff der Mannigfaltigkeit der klärste ist, nennen wir erhaben."

Aus diesen nur in ihrem Zusammenhänge verständlichen, aberda auch völlig klaren Begriffsbestimmungen reißt nun Jnsti zweiSätzchen heraus, um sie mit der oben aus dem Laokoon citirtenDefinition der körperlichen Schönheit zusammenzuschweißen zu demvorher (S. 13) citirten Satze:Bald nennt er sie (nämlich die Schön-heit) -die übereinstimmende Wirkung mannigfaltiger Theile, die

sich auf einmal,übersehen lassen; wenn der Begriff der Einheit derklärste sei, so ergebe sich Schönheit, wenn Mannigfaltigkeit, dasErhabene." Und diesen stutzenden Blödsinn wagt er uns aufzutischenals eine Lessingsche Definition!

Das Wahre ist, daß Lessing im ersten Theile des Laokoon durch-aus keine Veranlassung hatte, eine fertige Definition des Begriffesder Schönheit zu geben.Ich räume ihm ein," sagt er, in demmehrfach citirten Brief an Nicolai, über seinen Recensenten,daßVerschiedenes darin (d. h. im Laokoon) nicht bestimmt genug ist;aber wie kann es, da ich nur kaum den einen Unterschied zwischender Poesie und Malerei zu betrachten angesangen habe, welcher ausdem Gebrauche ihrer Zeichen entspringt re.?" Für diesen einenUnterschied aber reichte der Satz, daß körperliche Schönheit aus derübereinstimmenden Wirkung mannigfaltiger Theile entspringe, die sichaus einmal übersehen lassen (XX, S. 228 j282s), vollständig aus.Daß er im zweiten Theile, in welchem erdieses höchste Gesetz derSchönheit" (H. 4, sB. 5s XXXI) entwickeln wollte, eine schulgerechteund erschöpfende Definition derselben gegeben haben würde, will ichfreilich nicht behaupten; vielleicht würde er auch da sich mit Be-stimmungen begnügt haben, welche den Gegenstand jedesmal von der-