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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
Entstehung
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Die verminderte Geltung der im Laokoon entwickelten Gesetze u. s. w. Z

nicht mehr vorhanden sein." Die ganze Stelle hat Lessing fastwörtlich in den Laokoon ausgenommen (XXV, B. S. 153 f287j s.), nur diesen ans Autopsie beruhenden Schlußsatz läßt er weg. Nochauffallender scheint mir ein anderes Beispiel. Gelegentlich der Mög-lichkeit, deneinzigen Augenblick" des Gemäldes etwas zu erweitern,führt er einen Ausspruch von Mengs über die Behandlung des Ge-wandes bei Rafael an, in welchem ersterer rühmt, daß man an demFaltenwurf die vorhergegangene Stellung sehen könne,ob ein Beinoder Arm vor dieser Regung vor oder hinter gestanden, ob das Gliedvon Krümme zur Ausstreckung gegangen, oder gehet, oder ob es aus-gestreckt gewesen, und sich krümmet." Und dann fährt er fort:Esist unstreitig, daß der Künstler in diesem Falle zwei verschiedeneAugenblicke in einen einzigen zusammenbringt. Denn da dem Fuße,welcher hinten gestanden und sich nach vorn bewegt, der Theil desGewandes, welches (sie!) auf ihm liegt, unmittelbar folgt, das Ge-wand wäre denn von fehr steifem Zeuge, der aber eben darum zurMalerei ganz unbequem ist: so giebt es keinen Augenblick, in welchemdas Gewand im Geringsten eine andere Falte machte, als es derjetzige Stand des Gliedes erfordert; sondern läßt man es eine andereFalte machen, so ist es der vorige Augenblick des Gewandes und derjetzige des Gliedes. Dem ohngeachtet, wer wird es mit dem Artistenso genau nehmen, der seinen Vortheil dabei findet, uns diese beidenAugenblicke zugleich zu zeigen? Wer wird ihn nicht vielmehr rühmen,daß er den Verstand und das Herz gehabt hat, einen solchen geringenFehler zu begehen, um eine größere Vollkommenheit des Ausdruckeszu erreichen?" Daß Lessing hier von etwas ganz Anderem spricht,als was Mengs gemeint hat, ist klar; Mengs rühmt Rafael wegender überaus sorgfältigen Behandlung des Gewandes, und Lessingmacht einen Fehler daraus. Mengs spricht davon, daß das Gewandnicht bloß die Falte mache, die der jetzige Stand des Gliedes er-fordere, sondern daß der Wurf derselben auch erkennen lasse, welcheBewegung vorangegangen sei, und Lessing läßt eseine andereFalte machen, als es der jetzige Stand des Gliedes erfordert." Nunhalte ich es für durchaus unmöglich, daß Lessing die Thatsache habebestreiten wollen, daß dasselbe Gewand derselben Person bei dergleichen Stellung einen sehr verschiedenen Faltenwurf annehmen könne,je nach der vorausgegangenen Bewegung. Es bleibt also nur übrig