Vorwort.
Daß die folgenden Blätter aus einem Bedürfniß hervorge-gangen sind, dafür muffen sie selber den Nachweis führen. Dies Vor-wort soll nur einige nothwendige Erklärungen geben.
Erstens halte ich es für meine Pflicht, Hugo Blümner unddem Herausgeber des Nachlasses zum Laokoon in der HempelschenLefsingausgabe meinen Dank auszufprechen: ohne diese Beiden hätteich mein Büchlein überhaupt nicht schreiben können.
Ich bin noch vielen Anderen Dank schuldig. Wenn ich dieselbennicht nenne, so geschieht es nicht darum, weil ich mich mit fremdenFedern schmücken will; sondern weil es selbstverständlich ist, daß ichaus den Schultern meiner Vorgänger stehe und mir nicht einbilde, lauterneue Weisheit zu Tage zu fördern. Auch von denen, die ich be-kämpfe, habe ich nur wenige genannt; einen davon war ich freilichdesto öfter zu nennen gezwungen, da seine Aussprüche von Blümnerund Andern wiederholt angeführt werden und sich einer gewissenautoritativen Geltung zu erfreuen scheinen; und wenn ich ihn nichtallzu sanft behandelt habe, vielleicht sogar ihn Anderer Sünden mit-büßen lassen: ich meine doch, es ist ihm Recht geschehen. Denn nichtnur, daß kein Anderer seine Vorwürfe gegen Lessing in solcher Voll-ständigkeit und mit so unfehlbarer Sicherheit vorgetragen hat, wieCarl Justi: es hat auch Keiner dieselben so vom Zaune gebrochen,wie er: lediglich zur Verherrlichung der Leichenfeier seines HeldenWinckelmann wird in einem besondern Capitel Lessing denGöttern geopfert. —