herein ausgeschlossen, wichtige Neuheiten von den Leutenselbst zu erfragen; so oft ich eine ernstere Unterhaltungversucht, ergab sich stets eine solche Unsumme vonMissverständnissen, dass es geboten erschien, vonsolchen Unternehmungen ganz abzusehen; so habeich mich darauf beschränken müssen, den Leutenab und zu einige ethnographische Stücke aus derAusstellung vorzulegen und einige einheimische Namenzu ermitteln.
Das einzige Neue, was dabei an den Tag kam,betrifft die bekannten Gesichtsmasken, denen dievordere Hälfte eines wirklichen menschlichen Schädelszu Grunde liegt. Erst vor kurzem haben A. B. Meyeru. R. Parkinson*') und M. Bartels**) sehr ausführlichüber diese Masken gehandelt; indem ich hier auf dieseArbeiten verweise, habe ich nur zu berichten, dass diehier in Treptow gewesenen Neu-Britannier, die wohlalle von der Blanche-Bay stammen, nur die eine Artdieser Masken kannten und erkannten, bei der imInnern derselben ein Holzstäbchen befestigt ist. DieseArt schien ihnen völlig vertraut und geläufig zu sein.Um sie nicht zu beeinflussen, hatte ich mich völligunwissend gestellt, was diese Masken bedeuten undwie sie getragen werden; aber die Leute hatten siekaum gesehen, als einer von ihnen die Maske er-griff, vor sein Gesicht brachte und mit den Zähnenan dem Stäbchen festhielt. So habe ich zwei derLeute mit solchen Masken ohne jede Schwierigkeitphotographieren können; hingegen schienen die anderenMasken ohne Stäbchen, so gleichartig mit den früherensie sonst auch aussehen, den Leuten durchaus fremdzu sein. Ich hatte ihnen absichtlich auch eine Maskemitgebracht, die man mit den Zähnen ganz leicht amKeilbein hätte festhalten können; die Leute wolltenaber nichts davon wissen und verhielten sich auchsonst so, dass ich notwendig den Eindruck hatte, alsseien diese Masken aus einer ganz anderen Gegend derInsel und den Leuten wirklich fremd. Natürlich ist dadurchaus nicht ausgeschlossen, dass die Leute michaus blosser Höflichkeit täuschten und dass sie religiöseoder andere Bedenken hatten, mir diese anderenMasken zu erklären. Jedenfalls bedarf die ganze Sache,wie ja auch Bartels schon hervorhebt, noch weitererKlarstellung, und um diese zu bitten, will ich auch andieser Stelle nicht unterlassen. Viele der in Neu-Britannien wirkenden Missionare sind sicher in der Lage,vollkommene Aufklärung über die Herstellungsweise,den Zweck und die Bedeutung all dieser Masken gebenzu können und würden sich durch genaue Aufzeichnungein grosses Verdienst erwerben. Mir selbst war es, daich mich mit keinem der Leute verständigen konnte,
*) Schnitzereien und Masken vom Bismarck-Archipel und Neil-Guinea, Dresden 1895. (Publikation aus dem Kgl. Museum, Dresden X.)
**) In der Festschrift für Bastian. Berlin, D. Reimer 1896. Seite231—246.
leider unmöglich, irgend etwas Weiteres von ihnen zuerfahren.
Wenden wir uns nun zu dem ethnographischenTeile der Ausstellung, so habe ich für die Stidsee zu-nächst und in erster Linie die schöne Sammlung zunennen, die Dr. O. Finsch eingesandt hatte. Es warzwar nur eine kleine Auswahl aus der grossen Samm-lung, die noch in seinem Besitze verblieben ist, abersie war musterhaft durchgearbeitet und etikettiert unddadurch in hohem Grade lehrreich. Noch weit reicheran Prachtstücken, vor allem an grossen, alten Schnitz-werken aus dem Bismarck-Archipel, die das Herz jedesFachmannes mit Freude erfüllten, war die Sammlungvon J. F. G. Umlau ff in Hamburg. Auch ein Händleraus Radebeul, Ribbe, hatte grössere Serien ausgestellt,meist aus dem Bismarck-Archipel und von Inseln derSalomonsgruppe. Sehr schöne und interessante Stückeenthielt die im »Tropenhaus« ausgestellte Sammlungvon Herrn Legationsrat Konsul Rose und ebensoauch die Sammlung der Rheinischen Missions-Ge-sellschaft (in Barmen) und die der Mission vomheiligen Herzen Jesu (in M. Gladbach) in der »Kolonial-Halle«. Gegen Schluss der Ausstellung war auchein kleines, aber vollständig aufgetakeltes Boot ausJaluit aufgetaucht; andere Stücke von den Marshall-Inseln waren da und dort zerstreut, ohne als solchebezeichnet zu sein und ohne dass mir der Ausstellerbekannt geworden wäre.
Weitaus am wichtigsten unter allen aus der Südseeausgestellten Sammlungen aber war die des gegen-wärtigen stellvertretenden Landeshauptmanns vonKaiser Wilhelmsland, des Herrn von Hagen; ichwürde sie unbedingt an erster Stelle haben nennenmüssen, wenn sie wissenschaftlich zugänglicher gewesenwäre. Sie war aber, ebenso wie die S. 249 erwähnteSammlung von Jantzen und Thormählen, nichtfür die wissenschaftliche Abteilung, sondern für die»Kolonialhalle« verwendet worden; ein irgend ein-gehendes Studium der Stücke war unter diesen Um-ständen ausgeschlossen, und ich muss froh und dank-bar sein, dass es Dr. Weule und mir durch diegütige Zuvorkommenheit der Ausstellungsleitung er-möglicht wurde, wenigstens einzelne Stücke der Samm-lung studieren und für diesen Bericht zeichnen zukönnen.
Den ganzen Reichtum an neuen und wichtigenStücken, die auf der Ausstellung vereinigt waren, ein-gehend zu schildern, würde das Zehnfache des mirhier zu Gebote stehenden Raumes erfordern. Ich mussmich darauf beschränken, einige besonders wichtigeGruppen herauszugreifen und diese in kurzen Einzel-abschnitten zu besprechen. Manches, was da unerwähntbleibt, wird später, bei der Erklärung der Tafeln, zuseinem Rechte kommen.
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