und mit einer grossen Zalil ihrer Indices würde sie,wie die Tabelle ausweist, je an das Ende oder an denAnfang der ganzen Reihe gehören. Leider war es mirganz unmöglich, etwas Näheres über den »Loita-Stamm«zu erfahren, dem sie angehören soll; aus den überein-stimmenden Angaben der Moschi-Leute aber schienmir damals hervorzugehen, dass die »Loita«, ähnlichwie die bekannten Loikob zu den Wakwäfi gehören.Jetzt, während der Drucklegung dieser Zeilen, hat HerrGraf Schweinitz die Güte, mir mitzuteilen, dass dieErau aus dem Sudan stamme und von mir nur durcheinen Irrtum in die Gesellschaft der Massai gebrachtsei. Aber auch diese Ansicht beruht nur auf Angabender Moschi-Leute, und ich bin augenblicklich leidernicht in der Lage, sie auf ihre Richtigkeit prüfen zukönnen. Lest steht nur, dass entweder Graf Schweinitzoder ich das Opfer eines Missverständnisses gewordensind. Hoffentlich wird es möglich sein, später einmaldie wirkliche Heimat der Erau ganz sicher ermittelnzu können. Das wäre nicht nur anthropologisch wichtig,sondern auch ethnographisch interessant; die Erau hatnämlich nicht nur die grossen Sudan-Narben, sondernauch die typischen Zahnverstiimmlungen der Massai,und mir wurde damals von ihr selbst und von denMoschi-Leuten gesagt, alle »Loita« hätten die Zahn-verstümmlungen »genau wie die anderen Massai«, aberdie anderen »Loita« hätten niemals die Narben derSudän-Leute.
Ob man aber die Frau für eine Sudanesin hält,wie Graf Schweinitz, und dann annehmen muss, dass
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eines Massai mit einer gut gelungene
©sfr.-.
plastisch - kosmetischen Operation am Läppchen.
ihre Oberkiefer-Schncidezähne erst in den letzten Jahrenvon den Massai luxiert wurden und dass man ihr auchdie Unterkieferzähne erst spät ausgehebelt hat, oder obman mit mir diese Verstümmlungen für die früherenund die Sudan-Narben für die späteren hält — immerwird Frau Andaku-sentu ein interessanter Beleg für dieauch von Stuhlmann*) hervorgehobene Erscheinung sein,dass Frauen, die in fremde Stämme geraten, auch inden schwersten Verunstaltungen des Körpers den Ge-bräuchen ihrer neuen Angehörigen folgen oder folgenmüssen.
Als einen interessanten Beleg für die chirurgischeFähigkeit der Massai bilde ich hier das linke Ohr desS. 234 beschriebenen Mäli ab.
Bei irgend einem Zanke war ihm das weit aus-gedehnte Läppchen durchgerissen worden; soweit ichihn verstehen konnte, war der zunächst gemachte Ver-such, die Enden direkt wieder zu vereinigen, bei dergrossen Atrophie derselben gescheitert und ein wirklicherStatus quo ante daher nicht mehr herzustellen. Es wurdedaher der vordere Lappen sich selbst überlassen, derhintere aber angefrischt, gespalten und fächerförmig aus-gebreitet auf die angefrischte Gegend unter dem Tragusfestgebunden. Das Resultat ist ein so gutes, dass auchein europäischer Chirurg mit demselben zufrieden seinkönnte. Ueberhaupt besitzen die Massai eine rechtbemerkenswerte chirurgische Technik; der erwähntenkosmetischen Operation reiht sich mindestens eben-bürtig die merkwürdige Plastik an, welche von ihnenim Anschluss an die Beschneidung**) geübt wird, undauch ihre Verstümmlungen des Gebisses sind sichernicht ohne technische Schwierigkeiten.
Aber auch für die Konde im äussersten Südenunseres ostafrikanischen Schutzgebietes müssen wir einenicht geringe chirurgische Fähigkeit annehmen. Ueberdie schöne Tätowierung des einen der nach Treptowgesandten Leute habe ich schon S. 231 gesprochen.Ich trage hier, auch zur Ergänzung der nicht in allenTeilen gleich scharfen Photographie auf Taf. XII nocheine genaue Skizze der Narben nach. Dass der Mannsehr ängstlich und unfreundlich war und dass ich des-halb über die Bedeutung seiner Narben nichts erfahrenkonnte, ist bereits oben erwähnt. Ich hoffe aber, dassmeine Abbildungen trotzdem dazu beitragen, dass unserein Lindi lebenden Landsleute auf ihre interessantenNachbarn aufmerksam werden, die Narben möglichstzahlreicher Leute durch Photographie, Zeichnung undwomöglich auch durch Abformung in Gips festlegenund auch ihre Bedeutung in allen Einzelheiten ermitteln.
Wende ich mich nunmehr zu den rein ethno-graphischen Sammlungen, so darf ich wohl zunächst
*) Mit Kinin Pascha ins Herz von Afrika, S. 559.
**) Vgl. den ersten und bisher einzigen wissenschaftlichen Berichtüber diese Operation bei den Massai, den wir Stabsarzt I)r. Widen-mann verdanken, Verh. Berl. anthr. Gesellsch., XXVIII. 1S95. S. 302.
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