Druckschrift 
Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

(Yondra). Massig genährt, Körper nicht sehr dunkelrötlich-braun, Gesicht viel heller, stellenweise gelblich-braun, Gesicht und Arme mit zahlreichen rundlichenbis kleinfingernagel-grossen und auch längeren streifen-förmigen dunkleren Narben, die aussehen, als ob siemit einem glimmenden Holz gebrannt wären, aberdurch die Behandlung mit origli-yandüss, einem Pflanzen-saft, entstanden sein sollen.*) Iris dunkelbraun, Skleraganz leicht gelblich. Augen leicht mandelförmig, gross,ganz wenig schräg. Haar braunschwarz, erst kürzlichrasiert gewesen, sehr deutlich »büschelständig«, fil-fil.Wimpern lang, fast gerade.

Kopf lang, schmal, hoch; Hinterhaupt etwas aus-ladend. Gesicht mässig breit, in der Gegend derUnterkieferwinkel breit und derb, dadurch im ganzenmehr viereckig, als oval erscheinend, kaum prognath.Stirn hoch, gerade, mässig breit, fast voll, gewölbt.Wangenbeine nicht ganz angelegt. Nasenwurzel breit,flach; Rücken leicht konkav; Septum kurz; Flügeldünn; Löcher quer-oval. Lippen dick, die untere etwasvoll und ausgesprochen wulstig. Die mittleren Schneide-zähne oben nach vorne luxiert, unten ausgehebelt; dasübrige Gebiss intakt, gut gehalten. Ohren von Hausaus anscheinend klein, aber in der denkbar über-triebensten Weise verstümmelt. Beide Ohrmuschelnan ihrem oberen Rande mit vier oder fünf Löchern,in die eine Unmenge von schweren Ringen, Ketten,Knöpfen u, dergl. eingehängt ist, so dass die Ohr-muscheln völlig umgeklappt sind und als richtige Hänge-ohren weit über den Gehörgang herabreichen. Auchdie Läppchen sind durchbohrt und ad maximum mehrals bei irgend einem anderen der anwesenden Massaierweitert. Grosser Tumor mammae, über dessen Naturmir nichts bekannt geworden ist.

Eine sehr merkwürdige und interessante Frau,der man trotz ihrer argen Verstümmlungen und trotzder Dutzende von Ketten und Perlschnüren, die sie umden Hals trägt, einen hohen Grad von eigenartig herberSchönheit nicht absprechen kann. Mit anscheinendganz tadelloser moralischer Haltung verbindet sie eineGutmütigkeit und Unbefangenheit, die sie in der Thatsehr anziehend erscheinen lässt. Unter all ihren 17engeren Landsleuten ist sie die einzige, die etwasArabisch versteht; sie hat auch einen Begriff vomIslam und wünscht als streng rechtgläubig zu gelten.

No. 12. Mschungo (oder Meschüggo), cf,Massai aus Moschi, um 25 Jahre; (vergl. die Photo-graphie b. auf Tafel XIV) sehr kräftiger, ungewöhn-lich grosser Mann, ganz nahe an 6 Schuh hoch, gutgenährt. Körper sehr dunkel rötlich-braun, Stirne ehernoch etwas dunkler, Nase und Backengegend nur sehr

*) Diese Art von Tätowierung ist meines Wissens bisher noch nichtnäher beschrieben worden. Es wäre natürlich sehr wichtig, Näheresüber deren Verbreitung sowie über die Art des angewandten Pfianzen-saftes zu erfahren.

wenig heller; Lippen sehr dunkel mit leichtem Stichins Bläuliche. Im Gesicht einzelne kleine Schnittnarben,anscheinend nur durch zufällige Verletzungen entstanden.Iris dunkelbraun; Sklera gelblich, in der Nähe derIris viel dunkler als in grösserer Entfernung von der-selben ; Bindehaut farblos. Augen leicht mandelförmig,etwas schräg. Haar dunkel braunschwarz, kraus, hart.Kinn und Oberlippe mit sehr spärlichem Bart; Backenganz bartlos.

Kopf lang, schmal, hoch; Hinterhaupt wenig aus-ladend. Gesicht mässig breit, spitz-oval, etwas prognath;Stirn hoch, gerade, breit, fast voll, etwas gewölbt.Wangenbeine nicht ganz angelegt. Nasenwurzel mässigbreit, gegen die der anderen Massai sehr hoch; Rückenfast gerade, die obere Hälfte ganz leicht konvex;Septum kurz; Flügel dünn; Löcher klein, rundlich.Lippen etwas voll; Zähne gerade, im Oberkiefer intakt,im Unterkiefer nur ein mittlerer Schneidezahn aus-gehebelt; das übrige Gebiss tadellos gehalten und ganzgesund. Ohren eigentlich klein, beide Ohrmuscheln amoberen Rande je einmal durchbohrt, die Läppchen durchdie typischen Spiralen sehr stark erweitert, ausserdemdurch ein langes, vorne über die Brust herabhängendesKettchen miteinander verbunden. Hände und Fingersehr lang, schmal; Nägel lang, schmal, gewölbt,fast weiss.

Ein Riese mit dem Gemüte eines gutmütigen, liebens-würdigen Kindes.

No. 13. Gäi's, 9 Massai aus Moschi um 30 Jahre,(vergl. die Photographie b auf Tafel XVI); Frau desvorigen; wie vergrämt aussehend, schlecht genährt.Haut rötlich-braun, Stirn und Wangen sehr hell, Hand-teller fast weiss. Unterlippe leicht rötlich. An denUnterarmen und am Hals eine grosse Zahl von dicht-stehenden, wohl zu einem therapeutischem Zweck ge-setzten, anscheinend mit einem glimmenden Holze ge-brannten Narben; an der rechten Backe eine sehr grosserundliche Brandnarbe, wenn ich recht verstanden, un-beabsichtigt und dadurch entstanden, dass sie mit einemFeuerbrand geschlagen wurde? Iris sehr dunkelbraun,Sklera weiss, Bindehaut farblos. Augen leicht mandel-förmig, etwas schräg. Haar fast schwarz, kraus, weich,kurz vor der Untersuchung rasiert.

Kopf klein, lang, schmal, hoch; Hinterhaupt wenigausladend. Gesicht breit-oval, kaum prognath. Stirnhoch, gerade, breit, voll, wenig gewölbt. Wangenbeinestark vortretend. Nasenwurzel breit, mässig flach;Rücken konkav; Septum länger und schmäler als beiden anderen Massai; Flügel eher dick; Löcher längs-oval (!), also nicht quergestellt. Lippen dick, voll.Zähne gerade, im Unterkiefer die zwei mittleren Schneide-zähne ausgehebelt, das übrige Gebiss intakt und gutgehalten. Am oberen Rand beider Ohrmuscheln jedrei bis vier Löcher mit einer Menge von schwerenRingen, Ketten, Knöpfen u. dergl. Beide Läppchen

237