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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
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vermittels deren sie über das ganze Land allabendlichsich mit Hilfe einer eigenen Trommelsprache Nachrichtgeben über Krieg und Frieden und die Neuigkeiten,welche an der Küste sich ereignet haben. EinigeDörfer sind bekannt durch ihre Geschicklichkeit, Thon-geschirr herzustellen; die Eisenindustrie ist jedoch ander Küste nirgends, wohl aber in den nördlichen Ge-bieten der Sudanneger gut entwickelt. Im allgemeinenhaben die Eingeborenen Kameruns jene Stufe derKultur erreicht und wohl Jahrtausende bereits gepflegt,welche zu erfassen ihnen aus eigener Kraft möglichwar. Als der Europäer jene Küsten in seine Handels-zone zog, war das primitive Kulturleben und die Kunstdieser Völker bereits in Stagnation geraten. Sie warenunfähig, sich weiter und höher durch ihren eigenenGeist zu entwickeln, und die deutsche Besitzergreifungbefreite sie von dem Banne, der auf ihnen lastete. Siehöherer Kultur und Gesittung zuzuführen, ist unserenächste Aufgabe, die wir nur dann richtig zu lösen imStande sein werden, wenn wir jenes Mittel anwenden,das uns selbst die moderne Kultur gebracht hat: diegeregelte Arbeit!

Die weisse Bevölkerung Kameruns ist in den letztenJahren beträchtlich angewachsen. Sie betrug 1890 nur105 Köpfe, 1893 bereits 203 und ist zur Zeit auf gegen250 gestiegen. Die Mehrzahl der Weissen ist demHandel ergeben, etwa 85, doch sind jetzt bereits 20 aufden Pflanzungen oder in der Gärtnerei und Landwirt-schaft beschäftigt. Nicht alle Weisse sind Deutsche;Engländer, Schweden und auch Amerikaner sind gleich-falls in der Kolonie ansässig.

Bis zu Anfang der neunziger Jahre war Kamerun fastausschliesslich eine Handelskolonie zu nennen. Wennauch bereits Mitte der achtziger Jahre im Kriegsschi ff hafendie ersten Spatenstiche gethan waren, so hatten sichdoch die Pflanzungen noch nicht derart entwickelt,dass ihre Erzeugnisse in der Ausfuhrstatistik eine Be-deutung beanspruchten. Seitdem ist jedoch die land-wirtschaftliche Kultur mächtig gefördert worden, undder Export von tropischen Anbau-Produkten wird 1897bereits einen Werth von 250000 Mk. und mehr be-ziffern. Die älteste deutsche Pflanzung ist Kriegsschiff-hafen, -auch Bimbia genannt, etwa 7 km östlich vonVictoria gelegen am gleichnamigen Hafen. Es ist dieHauptpflanzung der Kamerun - Land- und Plantagen-gesellschaft, vorzüglich angelegt und reichen Erfolgversprechend. Mit der Nebenpflanzung M’bamba hatdiese Gesellschaft bereits gegen 300 ha aus dem dichtenUrwalde der Kultur unterworfen, auf welchen in dentieferen Lagen Kakao und auf den Höhen Kaffee ge-deihen. Auf der nordwestlichen Seite des Gebirges liegtgleichfalls unmittelbar am Meere die nach Kriegsschiff-hafen zweitgrösste Pflanzung Bibundi, welche derTabakbau-Gesellschaft Kamerun, Jantzen, Thormählenund Dollmann gehört. Hier versuchte man zuerst den

Anbau von Tabak, welcher reichlichen Ertrag vonsehr guter Beschaffenheit lieferte. Es stellte sich jedochheraus, dass gerade der Bibundi-Boden sich ausge-zeichnet für die Kakaogewinnung eignete, und sindseit 1889 bis jetzt in Bibundi bereits gegen 150 ha mitKakao angebaut. Diese Pflanzung ist auf eine Aus-dehnung von 2000 ha vorgesehen, und wenn ausserdemihre Nebenpflanzungen Isongo und Mokundange gleich-falls in vollen Betrieb gesetzt sind, so wird hier, einsder grössten Plantagen-Unternehmen der Tropenländerentstanden sein. Nicht weit von Bibundi liegt dieKakao-Wirtschaft Debundscha am Kap gleichen Na-mens, welche auch bereits 50 ha urbar gemacht hatund sicheren Erfolg verspricht. Ein wenig nördlichwurden bereits in früheren Jahren von schwedischenKaufleuten, nicht unmittelbar am Meere, sondern auf-wärts am Memeflusse in Bonge, 25 ha mit Kakao be-pflanzt; da jedoch die Wahl des Bodens als die denk-bar ungünstigste zu bezeichnen ist, so prosperiert dieseUnternehmung nicht; die Bäume, welche auf gutemBoden 30 Jahre und mehr ertragfähig bleiben, sindhier bereits vielfach im Absterben begriffen und mahnennachdrücklichst, vor Anlage einer jeden Pflanzung Bodenund Terrain auf das sorgfältigste zu prüfen. NeuePflanzungsunternehmen sind zur Zeit mit grossem Ka-pital in der Anlage begriffen, so in Bota, Buana undSopo. Soeben hat sich die Pflanzungsgesellschaft Victoriagebildet mit 2*/s Millionen Mark Grundkapital und10000 ha Land.

Ausser diesen Privatunternehmen sind von der Re-gierung neben dem botanischen Versuchsgarten Victorialandwirtschaftliche Stationen in Edea, Buea und Johann-Albrechthöhe am Elefantensee gegründet. Sie verfolgenden Zweck, den Eingeborenen Sämereien zu liefern, dieViehzucht des Landes in rationelle Bahnen zu lenken,mit ihren Produkten die Schutztruppe oder Teile der-selben ernähren zu helfen und schliesslich auch Rein-gewinn zu erzielen durch Verkauf der pflanzlichen undtierischen Erzeugnisse. Buea, welches 970 m über demMeere gelegen ist, hat obendrein den Zweck, eine Ge-sundheitsstation für fieberkranke Europäer oder Rekon-valescenten abzugeben, und ist hierfür auf Grund seineskühlen und gesunden Klimas, das dem von Madeirasehr nahe kommt, auch ausgezeichnet geeignet. Wenndiese Station im gedachten Sinne ausgebaut ist, wirdsie grossen Segen stiften, und manches kostbare Leben,was unter den Sorgen der Arbeit und der klimatischenUnbill der Sumpfniederung des Kamerun-Aestuars oderdes Rio del Rey - Gebietes von Fieberanfällen mit-genommen und gefährdet ist, wird in der reinen er-frischenden Bergluft Bueas Errettung vor dem Zerfallder Kräfte und vollständige Genesung finden.

Selten eignet sich ein tropisches Gelände so vorzüg-lich zur Anlage von Plantagen wie gerade das Kamerun-gebirge. Dieses bietet sich uns als ein Plantagenland