und die seeamtlichen Befugnisse zu vertreten hat. Anden wichtigsten Orten des Landes hat die Regierungferner Stationen errichtet: in Rio del Rey, Buea, Edea,Jaünde, Lolodorf, Campo und Johann - Albrechthöhe,die vornehmlich militärischen und wirtschaftlichenInteressen dienen. Rio del Rey, Kribi und Campodienen neben Kamerun und Victoria auch als Zollämter.Buea und Johann-Albrechthöhe sind landwirtschaftlicheUnternehmungen der Regierung, Versuchspflanzungenund Thierzuchtstationen. Die militärischen Postensind besetzt von der Schutztruppe, welche einKommandeur befehligt, derüber einen stellvertretendenKommandeur und drei Kom-pagnieoffiziere verfügt; siebesteht aus 12 weissen Offi-zieren und etwa 300 farbigenSoldaten. Der Verwaltungist auch ein Regierungsarzteingefügt, welcher das Kran-kenhaus der Regierung be-sorgt, das für Weisse undSchwarze getrennte Abtei-lungen hat. Die Regierungverfügt über einen seetüch-tigen Regierungsdampfer,den neuen »Nachtigal«, einenVermessungsdampfer, denalten »Nachtigal«, Dampf-pinasse und verschiedeneBoote wie Kanus. Auchliegen gemeiniglich im Ha-fen von Kamerun ein oderzwei deutsche Kriegsschiffe,welche an der KüsteUebungen ausführen undals Zeichen der deutschenMacht und Kraft den Ein-geborenen Achtung ein-flössen.
Für die Rechtspflegeist ein kaiserliches Gerichterster und zweiter Instanz eingerichtet. Der Kanzlerversieht die erste Instanz, die zweite der Gouverneur unterBeisitz von vier deutschen Bürgern. Unter den Ein-geborenen entscheidet der Ortshäuptling die Streit-sachen von geringem Wertobjekt (bis 120 Mk.). Gegensein Urteil ist Berufung an ein Eingeborenen-Schieds-gericht zulässig, das zugleich als Gericht erster Instanzamtiert in denjenigen Civil- und Strafprozessen, dienicht zur Zuständigkeit der Häuptlinge gehören. Sowenigstens sind die Einrichtungen getroffen für denDuallastamm, die Eingeborenen des Victoriabezirks,den Mangabestamm, die Dörfer am mittleren Wuri,die Landschaft Bodiman und die Anwohner des Mbam
und nach diesem Vorbild werden die Rechtsverhältnissegeordnet überall, wo Bedürfnis für dieselben vorhanden.Die Mitglieder der Schiedsgerichte ernennt der Gou-verneur. In Kamerun sorgen ferner Post und Telegraphfür den Verkehr in der Kolonie und die Verbindungmit auswärts. Im hohen Grade beachtenswert ist fernernoch der von Herrn von Soden gegründete botanischeGarten in Victoria, der als Versuchs- und Sortiments-garten wissenschaftlichen Bestrebungen sowie denpraktischen Interessen der Kolonie dienen soll. SeinUmfang ist auf 54 ha vorgesehen, von denen etwa die
Hälfte bereits unter Kul-tur genommen ist. Dieherrliche Lage, die vortreff-liche Einrichtung und diezielbewusste und unermüd-liche Leitung des erstenDirektors Dr. Preuss be-rechtigen zu der schönenHoffnung, dass dieser Gar-ten sich dereinst zu einerMusteranstalt mit Weltrufausbilden wird.
Wie die Lage Kamerunsim Busen von Guinea eineganz eigenartige ist, so istauch die Ethnographiedieses Landes eigenartig,da sich mitten durch das-selbe die Völkergrenze dersüdlichen Bantu- und nörd-lichen Sudanneger zieht.Gerade im Hinterlande desKamerungebietes spieltsichzur Zeit ein interessantesProblem der Völkerver-schiebungen ab. Es weichendie an Geist, Geschicklich-keit, Mut und ritterlicherKampfeslust zurückstehen-den Bantu-Stämme vor dennach Süden vordringenden,vom Mohammedanismus beherrschten Sudannegernzurück. Nur in den Urwaldregionen des Küsten-striches behaupten jene noch das Feld, da dem Sudan-neger, als Kind des Graslandes, das Leben im dunklen,feuchten Urwalde fremd ist. Und alle die Sudan-stämme, welche sich nach Süden vorgeschoben, halteneigentümlicherweise nicht nur ihre verwandtschaft-lichen, sondern auch ihre politischen Beziehungen nachNorden aufrecht. So ist der mächtige, und grausameHäuptling des Wutestammes Ngila dem in Nordkamerungelegenen Staate Adamaua mit der Hauptstadt Yolatributär, und dieser wieder untersteht dem grossenFulbesultan der Haussastaaten in Sokoto. Da diese Volks-
Ein Datanga (Buimbo).
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