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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
Entstehung
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die vier Aestuarien Mashantu (Rio del Rey), Meta,Andonkat und Meine einschneiden. Kleine Dampferkönnen in dieselben 40 bis 60 km weit einfahren, undschmale, mehr oder minder tiefe Wasseradern, sogenannteCreeks, durchsetzen diese Mangrovenniederung, in derfast beständig eine heisse brütende Atmosphäre lagert.Im Westen derselben bildet der Akwa Yafe die Grenzedes deutschen Gebietes.

Auch im Südosten des Kamerungebirges liegt einweites aber wasserreicheres Aestuarium mit niedererMangroven-Vegetation auf Schlamm- und Sandbänkenausgebreitet. In dieses münden die Kamerunflüsse,Rio dos Camaroons, das ist die Krabbenflüsse, nachdenen die Portugiesen, die Entdecker dieses Landes,Land und Gebirge benannten. Das vielgezackte,einem Ahornblatte vergleichbare Flussbecken nimmthier der Reihe nach von Norden über Osten nachSüden die Wassermassen des Mungo, Wuri mit demAbo, Dibamba (früher Lungasi genannt) und Dongaauf. Der Südrand des Beckens ist durch die An-schwemmungen des Mbam-Flusses gebildet, welcherkurz vor seiner Mündung ins offene Meer durch denKwakwa-Creek mit dem Kamerun - Aestuar verbundenist. In diesem liegt nun am linken Ufer des Wuri,gerade dort, wo er in das Wasserbecken eintritt, untenam Strande wie auf dem sich bis zu etwa 10 m Höheerhebenden Ufer der Ort Kamerun, der Mittelpunktdes Handels, der Sitz der Regierung und bis heute derbedeutendste Ort der Kolonie.

Südlich vom Kamerun-Aestuar wird die Küste flachund sandig. Sie stellt hier einen etwa von 60 bis zu20 km abnehmenden breiten, niedrigen Landstrichdar, welcher der ersten Terrasse des afrikanischenKontinentes vorgelagert ist. Derselbe findet dann alsdeutsches Territorium seinen Abschluss mit dem kleinenKampo-Flusse, der auf dem (2°i4') nördlicher Breite indas Meer mündet und hinter welchem das französischeAequatorialafrika beginnt. Trotz der Flachheit ist dieseKüste infolge ihrer dichten Bewaldung und angesichtsdes im Hintergrund sich erhebenden ersten, etwa 100 mhohen Waldplateaus lieblich anzuschauen, zumal imSüden der 540 m hohe Elefantenberg einen pittoreskenAbschluss des Panoramas des deutschen Kamerun-gebietes bietet.

Im Innern ist die Gestaltung des Landes eine mannig-faltige. Unmittelbar hinter dem Kamerungebirge fälltdas Gelände wieder auf etwa 200 m über dem Meereund bietet hier zunächst den Anblick einer flachhügeligen, dicht bewaldeten Gebirgslandschaft, welchejedoch von Erhebungen bis 1000 m und mehr, so z. B. imKupeberg des Bakossi-Gebirges durchsetzt und durch-zogen wird. Solche Gebirgsstöcke sind häufig nochvulkanischen Charakters und lassen uns infolgedessenhoffen, dass sich hier im nächsten Hinterlande desKamerungebirges noch grosse Flächen fruchtbaren

Bodens befinden, die dem Plantagenbau leicht zugäng-lich zu machen sind. Sodann steigt nach Norden zuallmählich immer mehr das Terrain, der Urwald wirdlichter, und schliesslich tritt das Grasland an seineStelle, nachdem ein steiler Anstieg überwunden ist.Das Baliland, dessen Erschliessung wir den so verdienst-vollen Expeditionen Dr. Zintgraffs zu verdanken haben,liegt mit Baliburg bereits 1340 m über dem Meeres-spiegel und stellt ein auch für Europäer gesundes,frisches Hochland dar. Weiter nördlich ist das Gebietnach den Forschungen von Dr. Zintgraff und Dr. Passargein der Hauptsache ein hügeliges, hier und da gebirgigesGrasland, das nach dem Benue zu abfällt. EinzelneGebirgsstöcke erreichen hier und im Adamaua-LandeHöhen bis zu 2000 und 2500 m über dem Meere.

Anders ist der landschaftliche Charakter des innerensüdlichen Kamerungebietes. Hier steigt das Land ter-rassenförmig von der Küste auf, bis es etwa rund 200 kmvon derselben entfernt das Hochplateau des Graslandesin etwa 806 m Höhe erreicht hat. So gestaltet sichalso in Bezug auf die Vegetationsformation das ganzeKamerungebiet derart, dass ein dichter Urwaldrandsich von der Küste im Süden etwa 200, im Nordenbis 300 km landeinwärts erstreckt. Hinter demselbensetzt ein weit ausgedehntes Grasland ein, welches dasganze centrale Afrika auszumachen scheint.

Auch an Flussläufen ist das Kamerungebiet nichtarm zu nennen, indessen bereiten die durch dieTerrassenbildung des Landes verursachten Strom-schnellen oder Wasserfälle der Binnenschiffahrt vieleschwer iiberwindliche Hindernisse. Im Mungo liegendie ersten Stromschnellen etwa 75, im Wuri 65, imDibamba 50 km entfernt von der Küste, und diegrossen wasserreichen, unserer Oder vergleichbarenStröme des südlichen Kamerun, welche tief in dasHerz Afrikas hineinreichen, der Mbam (früher auchSanaga genannt) und der Nyong, gebieten der Schiff-fahrt in ihren imposanten Wasserfällen in 60 beziehungs-weise 46 km Entfernung von der Küste auch schonein natürliches Halt. Daher kommt es, dass derdeutsche Handel im Hinterland Kameruns bis jetzt nurwenig Fuss gefasst hat, und dass englische Handels-häuser vom Benue her das Kameruner Hinterland mitZeugen und Fabrikaten, wenn auch nur spärlich, ver-sorgen. Schwerlich lassen sich die natürlichen Hinder-nisse in den Flussläufen anders überwinden, als dassman die Ware an den Katarakten umladet oder diese,wie am Kongo, durch eine Eisenbahn zu umgehen sucht.

Die oberste Leitung der Kolonie liegt in denHänden des Gouverneurs, welcher in Kamerun residiert.Die Verwaltung ist in 3 Bezirksämter: Kamerun,

Victoria und Kribi, geteilt, denen Amtmänner vorstehen.Die Ausübung der Gerichtsbarkeit erster Instanz sowiedie Vertretung des Gouverneurs liegt dem Kanzler ob,welcher gleichzeitig Bezirksamtmann in Kamerun ist

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