Druckschrift 
Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
Entstehung
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

Ausstellung der katholischen Missione

£5» >

mw

i£ä'<-

durch ihren Ertrag für geraume Zeit den Bedarf derMission. Leider litt die diesjährige Ernte viel durchdie im Westen der Kolonie herrschende Trockenheit.

Von Lome, als der Hauptstation, wurden ge-gründet und unterhalten die folgenden Nebenstationen,die zum Teil in beträchtlicher Entfernung liegen:

1. Adjovikophe, 2. Akeppe, 3. Aguewe, 4. Bagida,5. Amutive und Bevi.

2. Porto Seguro (Agbedrafo), eröffnet 26. XII. 94.Diese noch neue Station, 6 Stunden von Lome ent-fernt, bietet mit ihren Gebäuden einen der freund-lichsten Anblicke an der ganzen Küste. Die Schulemit ihrem Türmchen leuchtet besonders weithin aufsMeer hinaus und weckt das Interesse aller Vorbei-fahrenden. Die Anlage eines kleinen Windmotorserwies sich praktisch für ein Pumpwerk und dazu beider ruhigen, stets gleichgerichteten Seebrise als billig.Von Porto Seguro aus wird als Nebenstation mit ver-sehen Gum-Kopho, welches am Strande zwischen PortoSeguro und Klein-Popo liegt.

Porto Seguro gegenüber, jenseits des Togosees,liegt die andere Station:

3. Togo (Stadt), eröffnet 28. VIII. 93. Sie bietetdie am meisten schwierige Wirksamkeit, ist aber vonverhältnismässig grosser Wichtigkeit für die Missionund muss auch unter schwierigen Umständen gehaltenwerden. Diese Station war es, die dem ersten derPatres das Leben kostete (Juni 1896). Es befindet sichdort ein Gebäude, bestimmt zur Aufnahme solcherKranken, die, bei der Mission Hilfe suchend, längereZeit der Pflege bedürfen.

4. Klein-Popo, eröffnet Juni 95. (Aneho.) DieseStation mit ihrer Nebenstation Degbenu (25. III. 95)entwickelte sich bald nach ihrer Gründung rasch undist wegen ihrer Lage und der Bedeutung des Ortes

eine wichtige zu nennen. Leider ge-stattet der durch das Meer und dieLagune begrenzte schmale Landstrichkeine so weite örtliche Ausdehnung alses wünschenswert sein möchte. Ausserder Knabenschule ist letzthin auch eineMädchenschule eingerichtet und einerMulattin übergeben, bis zur Ankunftder Missionsschwestern, für die durchAnkauf eines Hauses bereits ein Unter-kommen geschaffen wurde.

5. Adjido, eröffnet 2. IV. 93. Diesist die verhältnismässig am besten ein-gerichtete und geräumigste Station, derGründung nach die zweite der ganzenMission. Sie bildet das Bindegliedzwischen Klein-Popo und Sebbe, anwelch letzterem Orte der Sitz der Landes-regierung (zur Zeit LandeshauptmannKöhler) sich befindet, und zählte bisherdie grösste Schar interner Zöglinge und Schüler. Vonhier aus werden auch die obengenannten Kaffeeplantagenbesorgt. Als Aussenstation ist seit Juli dieses Jahresder bedeutende P’lecken Gridji zu verzeichnen, der nachVollendung der Brücke über die Lagune bei Sebbe in1 /< J Stunde zu erreichen ist. Es ist daselbst eine Schulenebst anschliessender Priesterwohnung errichtet und einLehrer angestellt, der von Adjido abhängig ist. DerVerkehr zwischen Adjido und anderen Stationen findetgewöhnlich auf der Lagune mit Booten resp. Kanus statt.

Es beträgt somit das gesamte thätige Missions-personal 13 Europäer, darunter 8 Brüder, und 19 Ein-geborene, darunter 2 Lehrerinnen. Die Gesamtzahlder Schüler beläuft sich rund auf 500, die der getauften,noch lebenden Christen auf rund 600.

Wenn etwas ist, was sich der schnelleren Ent-wicklung, wofern man eine grössere nach vierjährigemBestände der Mission wünschte, entgegenstellt, so istes ausser der Schwierigkeit, die das Erlernen derdortigen Sprache bietet, der deprimierende Einfluss desKlimas, welches zu den ungesundesten der Erde zählt.Nicht bloss, dass der Tod ein Doppelopfer in dieserZeit forderte, es legte das Klima auch mehrere dortwirkende Kräfte lahm und zwang sie zur Rückkehr nachgesunderen Himmelsstrichen.

Generalsuperior A. Janssen.

Die katholische Mission in der deutschen Südsee,speziell auf Neu-Pommern.

Es war zu Anfang des Jahres 1881, als seitensder Propaganda zu Rom an die Missionare vomhl. Herzen der Auftrag erging, das seit längeren Jahrenschon teilweise eingestellte schwierige Missionswerk

9

129