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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
Entstehung
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lliale der Landschaft Usambara in Deutsch-Ostafrikaerworben hat. Auch in dem naheliegenden Wugire-distrikt hat der Verein Landbesitz erworben. ZweiDiakonen, Kokermann und Liebusch, sind dort bereitsan der Arbeit, ein Sanatorium für erholungsbedürftigeMissionare und Beamten zu errichten und zugleich eineFreistätte für frühere Sklaven zu begründen. Das ersteHäuflein solcher Leute ist bereits an Ort und Stelleangesiedelt.

Nahe dem Arbeitsfelde dieses Vereins habendie Missionare der Evangelischen Missions-gesellschaft für Deutsch-Ostafrika*) unter denWaschamba drei Stationen gegründet. Es sind diesHohenfriedeberg bei Mlalo, Kethel bei Mtai und Wuga.Hier stehen die Missionare PP. Johanssen, Wohlrab,Doering, Koehl, Kecker, Langheinrich und Gleiss. Etwa50 Getaufte sind auf diesen Stationen gesammelt. Vondiesen wie von Tanga, dem Krankenhause vonDar-es-Salaam, sowie von der Station Kisserawe inUsaramo waren recht gute Aquarellbilder vorhanden.Schreibhefte lagen aus und ebenso die »Nachrichtenaus der ostafrikanischen Mission«, sowie andere Ver-öffentlichungen der Gesellschaft, unter denen eine Lese-fibel in der Waschambasprache besonders beachtens-wert war. Auch zog eine kleine Puppe aus Usambara,welche die Behausung eines Pepo, Dämonen, sein soll,und die an die Fetischpuppen Westafrikas erinnerte,die Aufmerksamkeit der Ethnographen in besonderemMasse auf sich. Da die Gesellschaft ausser den ge-nannten Missionaren in Kisserawe, Maneromango, Dar-es-Salaam und Tanga noch die Missionare PP. Holstund Clewe, Liebau, Worms, Maas und Peters unter-hält und bisher in dem Krankenhause zu Dar-es-Salaamviele unserer Landsleute (im Jahre 1895: 161 Kranke)verpflegt hat und mit dazu hilft, dass die Deutschenin den Küstenstädten geistlich versorgt werden,so muss man sagen, dass diese Gesellschaft mit denihr zugehenden Geldern (Einnahme im Jahre 1895:96 326,48 Mk.) ein Werk unterhält, welches für dasGedeihen unserer Kolonie von hohem Werte ist.

Ausser dieser Gesellschaft arbeiten im nördlichenTeile Deutsch-Ostafrikas auch Sendboten der LeipzigerMission**) (Jahreseinnahme 1894: 352456 Mk.). Daseigentliche Arbeitsgebiet dieser Gesellschaft befindet sichauf der Koromandelkiiste Indiens, wo sie 35 Missionareunterhält und 15 000 Heidenchristen gesammelt hat. AmKilimandscharo trat sie im Jahre 1895 in die Arbeitein. Hier arbeiten auf den drei Stationen Nkarungo,Mamba und Moschi die Missionare Müller, Althaus,und Passmann, die bei dem Dschaggavolke eine

*) Adresse: Ev. Missionsgesellschaft für Deutsch - Ostafrika.

Berlin W., Passauer Strasse 40. Inspektor Winkelmann.

**) Evangelisch-lutherische Missionsgesellschaft. Leipzig, Karo-linenstrasse 19. Direktor v. Schwarz; Inspektoren; Missionar R. Hand-mann, Pastor Hofstatter,

gute Aufnahme gefunden haben. Diese Stationenliegen 1500—1600 m über dem Meer, wo fieber-freie, gesunde Luft herrscht; leider waren Bilder dieserStationen nicht vorhanden. An Veröffentlichungenlagen aus: das »Evangelisch-lutherische Missionsblatt«und vier Nummern einer hübsch ausgestatteten Missions-schrift, die sich »Lichtstrahlen aus dem dunkeln Erdteil«betitelt.

Noch zwei andere deutsche Missionsgesellschaftensind im Laufe der letzten Jahre in Deutsch-Ost-afrika mit in die Arbeit eingetreten; das sind dieEvangelische B rüde rge meine*) und die alteBerliner Missionsgesellschaft'**) (Berlin I). BeideGesellschaften sandten im Jahre 1891 fast zu gleicherZeit Expeditionen nach dem am Nordende des Nyassagelegenen Kondeland, welches bis dahin noch vonkeinem Deutschen betreten worden war. In der ver-hältnismässig kurzen Zeit von fünf Jahren ist es diesenGesellschaften gelungen, dort neun Missionsstationenzu errichten. Von den vier Stationen der Brüder-gemeine ist die älteste Rungue, an dem gewaltigenBerge (Höhe ca. 2500 m) gleichen Namens liegend.Die am weitesten nach Norden vorgeschobene Stationist Utengule, die Hauptstadt von Usangu, während dieStation Rutenganio auf der Mittelstufe des Kondelandesund die Station Ipiana ganz nahe dem See liegen.Auf diesen Stationen arbeiten zur Zeit sechs Missionare,von denen fünf verheiratet sind; zwei andere Missionaresind dem Klimafieber erlegen. Die ältesten BerlinerStationen sind hier die Stationen: Wangemannshöh,begründet am 2. Oktober 1891 unter Leitung desMissions-Superintendenten Merensky; sie liegt auf derMittelstufe, 1000 Fuss über dem Nyassasee. Höherhinauf finden wir die Stationen Manow und Muakareri,ca. 1600 m über dem Meere. Endlich wurde neuer-dings im Livingstonegebirge die Station Bulongua, dieca. 2000 m hoch liegt, unter dem Kingavolke gegründet.Am See, in der Nähe von Langenburg, liegt die StationIkombe. Die Arbeit der Brüdergemeine war auf derAusstellung zunächst durch eine statistische Tafel dar-gestellt, welche zeigt, dass die Gemeine auf ihren ver-schiedenen Arbeitsfeldern 174 Missionare unterhält, dieca. 95 000 Leute zu Gemeinden gesammelt haben. Diefür dieses grosse Werk aufgewendeten Mittel übersteigendie Höhe von D/a Millionen Mark. P'iir die Konde-mission hat die Gemeinde in den letzten fünf Jahrenin Summa ca. 180 000 Mk. verausgabt. Die BerlinerMission unterhält im ganzen 82 Missionare in Afrikaund China, wo ihre Gemeinden 28 000 Seelen zählen.

*) Missions-Departement der UniUttsältesten-Konferenz, Bertholds-dorf bei Herrenhut. Ch. Büchner, Vorsitzender, B. Romig; O. Fadel,B. Latrobe.

**) Gesellschaft zur Beförderung der evangelischen Missionenunter den Heiden. Berlin NO., Georgenkirchstrasse 70. DirektorM. Gensichen; Inspektoren: Wendland, Merensky.