Sicherheit Anspruch haben; immerhin dürfte aber imallgemeinen daraus zu ersehen sein, woher die wichtigstenArtikel kommen. Nach der 1895er Statistik wurden anGeweben von Deutschland für 553OOO Rupien nach Ost-afrika eingeführt. Eine ganze Menge davon ist aberindischen oder englischen Ursprungs. England selbst hatweniger direkt importiert; um so mehr aber ist aus Indiengekommen. Es war mit nicht weniger als 639000 Rupienan der Einfuhr aller Stoffarten beteiligt. Arabien undPersien liefern gleichfalls einiges. Nicht unerheblicheMengen kommen endlich von gewissen rohen dichtenBaumwollstoffen aus den Vereinigten Staaten; die Sta-tistik führt 225000 engl. Pfund im Werte von 136000Rupien an.
Frankreich und Belgien, welche ebenfalls eine leb-hafte auswärtige Gewebeeinfuhr in ihren Kolonien haben,sind seit Jahren bemüht, den Stoffbedarf in ihren eigenenFabriken zu decken. In Belgien behauptet man auch,sehr grosse Fortschritte darin gemacht zu haben, undnach Massgabe seiner Statistik findet allerdings einelebhafte Ausfuhr seiner Baumwollstoffe nach dem Kongostatt. In den Kreisen des Handels und der IndustrieDeutschlands scheint bisher ein ähnliches Bestreben nurschwach entwickelt zu sein. Man erachtet hier denBedarf der Schutzgebiete an bestimmten Sorten nochfür zu gering, um dafür kostspielige Maschinen- undandere Ausgaben zu machen. Einige Fabriken habenneuerdings begonnen, sich auf den afrikanischen Markteinzurichten. So werden besonders in Baden jetzt roteund bunte Shawls hergestellt, die in Zanzibar und Ost-afrika sehr beliebt geworden sind. Ueberhaupt ist zuhoffen, dass, wenn erst die in den Kolonien hauptsächlichgangbaren Stoffe in Deutschland allgemeiner bekanntwerden und wenn der Bedarf mit fortschreitender Koloni-sation steigt, immer mehr Fabriken sich der Herstellungdieser Artikel annehmen werden. Auch in Englandhat es lange gedauert, ehe die Baumwollindustrie fürafrikanische Zwecke sich zu ihrer heutigen Höhe ent-wickelt hat.
2. Spirituosen. Spiritus und der daraus hergestellteBranntwein gehören zu den wichtigsten Erzeugnissender deutschen Landwirtschaft. Da in Deutschland weitmehr davon hergestellt als verbraucht wird, findet einegewaltige Ausfuhr von Spirituosen statt. Ein grosser Teildes deutschen Spiritus ging früher nach verschiedeneneuropäischen Ländern, wo er zur Verbesserung desWeines und zu technischen Zwecken Verwendung fand.Dieser Handel ist durch die Zollpolitik Spaniens,PTankreichs und Italiens und die deutsche Steuer-gesetzgebung immer mehr eingeschränkt worden. Von76 500 Tonnen im Werte von 23 400 000 Mk., welcheder Export des Jahres 1886 betrug, ist er 1890auf 38 700 Tonnen für 14 800 000 Mk. und 1895 garauf 21000 Tonnen für 5 200000 Mk. gesunken. Imletzterwähnten Jahre erreichte dafür der früher uner-
hebliche Import von Spirituosen nach Deutschland einenWert von 9 100 000 Mk., überstieg also den Pixportbeinahe ums Doppelte! Von manchen Seiten wirddiese Abnahme der deutschen Spirituosenausfuhr mitFreuden begriisst und als ein Segen für die Menschheitbetrachtet. Man vergisst aber dabei, dass der Bedarfnach berauschenden Getränken in der Welt trotzdemfortbesteht, und dass er in Ermanglung deutschenBranntweins einfach durch selbsterzeugte, oft schlimmereSachen oder mit Schnaps aus anderen Ländern gedecktwird. Den Schaden haben die deutsche Landwirtschaftund der deutsche Plandel, und schliesslich wird dernicht nach ausserhalb verkaufte Branntwein in Deutsch-land auf den Markt gebracht, wo er schlimmere Ver-heerungen anrichtet als im Auslande.
Von alters her ging ein Teil der deutschen Spiri-tuosen nach Afrika. Während aber diese Ausfuhrfrüher gegenüber dem grossen Export nach europäischenStaaten wenig ins Gewicht fiel, ist jetzt Afrika, obwohldie Mengen des dorthin verschifften Branntweins kaumgestiegen sind, ein wichtiger Abnehmer, den diedeutschen Spiritusproduzenten schwer missen könnten.Nach der vorliegenden Statistik hatte die Einfuhr vonSpirituosen aus verschiedenen Staaten in Kamerun,Togo und Westafrika — über die Branntweineinfuhr Siid-westafrikas fehlt es noch an genauen Zahlen; man weissaber, dass sie ebenso wie die der Südsee sehr geringist — 1892 einen Wert von etwa 1 435 OOO Mk. und1894 von 2 160000 Mk. gegenüber einer deutschen Ge-samtausfuhr von 4700000 Mk. 1892 und 5 200 000 Mk.1894! *) Es sind das bei Berücksichtigung anderer Zweigedes Handels immerhin ganz verschwindende Zahlen, undman begreift kaum, dass ein verhältnismässig so gering-fügiger Umsatz so überaus lebhaften Anstoss erregenkann, wie er es in Wirklichkeit thut, besonders wennman bedenkt, unter wie grosse Menschenmassen sichdie deutsche Branntweineinfuhr verteilt, und weiss, wieschwach dieses Getränk durchweg ist. Richtig ist freilich,dass in den Küstenorten oft Trunkenheit herrscht, aberdas ist überall in der Welt der Fall und fast alle nichtder Mission obliegenden Reisenden sind darüber einig,dass die Afrikaner sich weit häufiger an Palmwein,Honig, Hirsebier, Hanf und dergleichen berauschen alsan Branntwein, schon deshalb, weil er ihnen viel zu teuerkommt. Noch kürzlich hat sich in diesem Sinne eineenglische Dame, die Westafrika besucht hat, Miss Kings-ley, geäussert, und sie verharrt trotz aller missioneilenAngriffe bei ihrer Ansicht.
Von seiten der deutschen Regierung ist, trotz desgrossen volkswirtschaftlichen Interesses der Förderungdes Spirituosenexports, ängstlich jeder dahin zielendeSchritt vermieden worden. Sie hat vielmehr diesen
*) Ein grosser Teil dieser Einfuhr besteht aus Spiritus, der imHamburger Freihafen gebrannt oder aus russischem Rohspiritus her-gestellt wird.