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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
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und auch seitens der Verwaltung solche angelegtworden sind, reicht die Produktion nicht einmal zurDeckung des dortigen Bedarfs. Die Hoffnung besteht,dass mit der Zeit diese Kultur in grösserem Umfangein Deutsch-Westafrika ins Werk gesetzt werden wird,da alle Vorbedingungen für ihr Gedeihen vorliegen.

/.Verschiedene Nutzgewächse sind noch in dendeutschen Schutzgebieten wild oder in den Pflanzungender Eingeborenen vorhanden, wie der Stearinbaum Stuhl-manns, Zuckerrohr, Bananen, Ricinus, Reis und andereGetreidearten. Alle diese Gewächse kommen aber vor-derhand für den Export nach Europa noch nicht inBetracht. Sie dienen dem Verbrauch der Eingeborenenin den Schutzgebieten oder in ihrer Nachbarschaft.Mehr Hoffnungen setzt der Ausfuhrhandel auf die Ver-suche mit Nutzpflanzen, die aus anderen Gegenden ein-geführt worden sind und mit denen gegenwärtig Ver-suche stattfmden. Es ist das einmal der Canaigre,Rumex Hymenosepalus, der in den dürren Steppen desSüdwestens der Union wild wächst und wegen seines28—30 prozentigen Tanningehalts für die Gerberei wert-voll ist, und dann die Boehmeria, Rhea oder Ramiegenannt. Die letztere Pflanze liefert einen vorzüglichenSpinnstoff. Sie stammt aus China und Niederländisch-Indien und wird gegenwärtig in Indien gebaut. Aller-dings ist die Bereitung der Spinnfasern der Ramieschwierig und kostspielig; doch würde, wenn es gelingt,ihre Kultur in den Schutzgebieten einzubürgern, damit)einausserordentlich wertvolles Gewächs gewonnen werden.Auch an die Einführung der Seidenraupenzucht in ver-schiedenen Kolonien wird gedacht; und neuerdings istAussicht vorhanden, dass in Usambara ein Weinbau-unternehmen entsteht. Die Thatsache, dass edle Wein-reben in vielen Arten in den ostafrikanischen Bergenreichlich wild wachsen und grosse Trauben bringen, sowiedie von französischer Seite in Algier und Tunis, vonportugiesischer in Timor wider alles Erwarten darin er-zielten Erfolge lassen denVersuch aussichtsvoll erscheinen.

Die Waren, welche in die deutschen Schutzgebietevon Europa eingeführt werden, zerfallen in billigeMassenartikel für den Gebrauch der Eingeborenen undBedarfsgegenstände für die Europäer.

A. Gegenstände für den Bedarf der Ein-geborenen.

1. Stoffe aller Art.

Es ist kaum IOO Jahre her, da versorgte Deutschlanddie ganze Welt mit seinen schlesischen Leinen. Diesevon den armen Webern des Riesen- und Eulengebirgesbei Hungerlöhnen hergestellten billigen Flachsgewebewaren der beliebteste Kleiderstoff in allen spanischenKolonien und konnten oft kaum in ausreichender Mengegeliefert werden, obwohl fast jedes nach Cadix undAmerika segelnde Schiff sie an Bord hatte. Von Baum-wolle mochte man damals nichts wissen. Die darausgemachten Stoffe galten für zu warm im heissen Klima

und stellten sich wohl auch, da die Maschinenspinnereiund -Weberei noch nicht entdeckt waren, zu teuer fürden Massenverbrauch. — Die Sperrung der Weltmeerefür den grössten Teil des europäischen Kontinentswährend der französischen Revolutionskriege durch Eng-land hat dieser deutschen Weltindustrie den Garausgemacht. An die Stelle der schlesischen Leinen sindirische Leinwand und englische Baumwolle getreten.Die englische Industrie hat es durch rasche Einführungund Ausbildung der Maschinenindustrie möglich gemacht,den Bedarf der Tropen zu denselben Preisen wie vorherSchlesien zu decken und sich auf den während derKriegszeit eroberten Märkten dauernd zu behaupten. —Deutschland hat lange Zeit seine Gewebeausfuhr aufeinen verschwindenden Betrag vermindert gesehen; eshat selbst seinen eigenen Bedarf grossenteils aus Eng-land und Belgien gedeckt und fängt erst neuerdingsan, seine Gewebeindustrie wieder auf eine bedeutendereHöhe zu bringen. 1895 hat es an Baumwollstoffen18617 Tonnen im Werte von 63600000 Mk. und anLeinenwaren 2935 Tonnen zu 13 Millionen Mark aus-geführt. Von den letzteren wird noch einiges nachden Vereinigten Staaten exportiert, aber fast garnichtsnach den tropischen Ländern. Von den Baumwoll-stoffen geht ein ansehnliches Quantum nach Südamerika;Afrika spielt aber, abgesehen von Kapland, für diedeutsche Baumwollindustrie nur eine sehr bescheideneRolle. Der grösste Teil des nicht unerheblichen Be-darfs der deutschen Schutzgebiete an Stoffen wird ebenvon England, den Vereinigten Staaten und Belgien be-friedigt, welche die dort begehrten Artikel so billigliefern, dass die deutschen Fabriken es verschmähen,mit ihnen in Wettbewerb zu treten.

Nach den Angaben der vorliegenden Statistik derSchutzgebiete hat Togo 1892 Stoffe aller Art im Wertevon 756200 Mk. und 1894 im Betrage von 700 300 Mk.,1895 für 729 IOO Mk. eingeführt. Kameruns Import anStoffen belief sich 1892 auf 981800, 1894 auf 1971400,1895 auf 1365400 Mk. Deutsch-Ostafrika endlich hat1892 Gewebe für etwa 3 105 900, 1894 für etwa 4048 200,1895 für etwa 3200000 Mk. eingeführt. Im ganzenhat die Einfuhr der drei genannten Afrikakolonien —für Südwestafrika und Südsee liegen die nötigen Datennoch nicht vor — im Jahre 1894 an Geweben eineHöhe von etwa 6720000 Mk. erreicht. Dieser Importsteht damit an der Spitze des Einfuhrhandels der Schutz-gebiete; kein zweiter Gegenstand wird in ihnen ingleichem Umfange begehrt.

Genaue Nachweise über den Ursprung der ver-schiedenen Stoffe liegen nicht vor. Bei Kamerunund Togo weiss man nur im allgemeinen, dass dasmeiste aus England kommt. In Ostafrika ist neuer-dings versucht worden, das Ursprungsland der an-kommenden Gewebe statistisch festzustellen. Die vor-liegenden Angaben werden noch auf keine besondere

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