100
« 8 .
Wohin uni» tritt, ist alter heil'gcr Grund,
Gemeine Form kann nimmer ihn bezwingen,
Ein Wunderrcich liegt in der weiten RundUnd wahr scheint Alles, was die Musen singen,
Bis endlich Qualen uns die Scene» bringen,
Die wir geschaut in Kindcrtränmen schon.
Wenn deine Tempel auch zu Grunde gingen,
Spricht Berg und Thal doch der Zerstörung Hohn;
Zeit stürzte wol Athen — doch schont sic Marathon.
89 .
Ja Flur und Sonne, nur der Sclave nicht,
Blieb gleich, auch wechselte der Hcrrscherorden;
Die Grenze blieb in ihres Ruhmes Licht,
Das Schlachtgefild, wo Persiens wilde HordenDas Gricchcnschwert siegreich verstand zu mordenAm Morgen, den ein ewiger Ruhm umzieht,
Wo Marathon ein Zaubcrspruch geworden.
Kaum tönt er — und des Hörers Auge sichtDie Schlacht, des Siegers Glanz, vor dem der Feind entflicht.
90 .
Der flüchtige Meder mit zcrbrochncm Bogen,
Der stolze Griech' ihm nach mit blutigem Speer,
Gebirge droben, unten Erd' und Wogen;
Tod im Gesicht, Zerstörung hinterher!
So war die Scene. Blieb von ihr nichts mehr?
Spreizt keine Sicgstrophä' sich auf Kothurnen,
Wo Freiheit lacht', als Asien thränenschwcr?
Staub füllt den Wall und die gestürzten Urnen,
Wenn rohe Fremde dort die wilden Rosse turnen.