Druckschrift 
1 (1854) Biographische Notiz. Ritter Harold's Pilgerfahrt. Der Corsar. Lara
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

«n.

Und diese rohe, wilde Lust verlocktHispanicns Maid und Jüngling manche Tage,

Schon früh an Blut gewöhnt, wird er verstockt,

Labt rachedurstig sich an fremder Plage.

So lebt manch Dorf in fricdcloscr Lage!

Indem er ganz den äußern Feind vergißt,

Sinnt mancher hier beim heimische» GelageSelbst gegen seinen Freund ans arge List,

Und »'armes Herzblut fließt, wo kaum ein Grund znm Zwist.

8t.

Doch Eifersucht verschwand, und aufgchörtHat mit dem Gitter der Dnenncn Schrecken,

Und Alles, was sonst edlen Sinn empört,

Was unterm Schloß bewachten alte Gecken,

Mag tiefe Nacht sammt jener Zeit bedecken. -

Wer sicht nicht Spaniens freie Mädchen blüh»,

(Eh sic der Sturm des Krieges ließ erwecken)

Geflochtncn Haares tanzend auf dem Grün,

Drauf der Nachtkönigin verliebte Strahlen glich»?

82 .

Oft liebte Harold oder träumt zu lieben,

Denn jeder Liebcsrausch ist nur ein Tram»!

Jetzt aber war sein Busen kalt geblieben,

Da Lcthcs Trank ihm nicht genetzt den Gaum;

Und kürzlich erst gab er der Wahrheit Raum:

Die Flügel sind der Liebe beste Habe!

Scheint sic auch jung und schön und zart wie Flaum,

Ob auch ihr Quell mit süßen Freuden labe,

Bringt doch ihr bittres Gift die Blumen nah dem Grabe.