Im Jahre 1799 ging der junge Lord, elf Jahre alt, mit seinerMutter nach London, wo er wegen des formwidrigen Fußes bei demI)r. Baillie in die Kur kam. Wahrend seines Aufenthaltes zuLondon und in der Schule des Or. Glennic in Dulwich scheint ermehr Geschichtliches und Poetisches und mehr in der Bibel gelesenzu haben, als cs bei Knaben seines Alters gewöhnlich ist. Er sprachgern über Gegenstände der heiligen Schrift und zwar gläubig. Schonals kleines Kind stritt er gern und verlangte Belehrung über Gegen-stände des Glaubens.
Zu der nämlichen Zeit, wo er Lei dem Or. Baillie zur Kur undbei dem vr. Glennie in der Schule war, erschien unser Byronliebenswürdiger — im gewöhnlichen Wortverstandc — als in irgendeiner andern Periode seines Lebens, was sich vielleicht aus dem wohl-thätigen Erfolge herlciten läßt, welchen die ärztliche Behandlungseines Fußes hatte, der nun so weit hergcstellt ward, daß er im Standewar, einen gewöhnlichen Schuh anzuziehen.
Wahrscheinlich in einer der Vacanzen seiner Londner Kur - undSchulzeit verliebte er sich — nach seinen eigenen Berichten — inseine junge Cousine, Miß Margarethe Parker, welche, wie er sagt,ihn zu seinem ersten poetischen Versuche inspirirtc. Sie starb einoder zwei Jahre später an der Auszehrung.
Von Dulwich kam Byron inzwischen wieder nach Harrow zuOr. Drnry. Im Sommer des Jahres 1801 besuchte der junge Lordmit seiner Mutter Cheltenham, und von den Gefühlen des jungenPoeten in der schönen Natur zeugen seine „Honrs ok lälsnsss"(Stunden der Muße) aus jener Periode. Hier kamen sie mit einerWahrsagerin zusammen. Lady Byron gibt sich für eine ledige Dameaus, aber die Seherin sagt, sic sei Mutter eines lahmen Sohnes, dersich in seiner Minderjährigkeit vor Vergiftung zu hüten habe und sichzweimal vermahlen werde, das andere Mal mit einer fremden Dame.Die Prophezeiung der Wahrsagerin, daß Byron sich zweimal vcrhei-rathcn würde, das zweite Mal mit einer Ausländerin, scheint einigenEinfluß auf die Ausdauer seiner spätern Anhänglichkeit an SignoraGuiccioli gehabt zu haben.