Die Sage von den sieben Ungern. 591
Schwanz und Ohren, den Heinrich I. »38 den Magyaren höhnisch statt desgeforderten Tributs übersandt haben soll (s. Waitz'König Heinrich I. NeueBcarb. 244 ff.). Eine jüngere Zuthat, die ich in der obigen Zusammenstellungübergangen habe, ist endlich auch bei den ungrischen Chronisten die Zurück-führung des Namens Siebenbürgen, der vermutlich mit der Zahl Sieben garnichts zu schaffen hat, auf die sieben Herzoge.
Für unwesentlich halte ich in diesen Sagen selbst den Ort der Schlacht.Neben dem Lechfelde, welches die Ebersberger Chronik irrig in das Jahr 937verlegt, erscheint auch der erste für die Ungern sehr uachtheilig endende Einfallunter Otto I. im I. 938 nach Thüringen und Sachsen (vgl. oben S. 78 A. I) undendlich ein ganz fabelhaftes Treffen bei Eisenach, wobei man etwa an die Sagenüber Jechaburg deuten könnte. Die Ueberliefernng schwankt also, wesentlich isthier nur die Erinnerung einer fast vernichtenden Niederlage. Hatte inan voneiner solchen aus älterer Zeit halb verschollene Kunde, so darf es uns zumalauf deutscher Seite keinen Augenblick befremden, dass gerade die Schlacht aufdem Lechfcldc zur Verjüngung dieser Sage diente. In der Entwickelung desungrischen Volkes, das, nach Liudprands (Xntap. I c. 5) bezeichnendem Ausdruckecingeschüchtert, seitdem nicht mehr zu mucksen wagte, bildete sie einen tiefen Ein-schnitt. Ungarn mußte, weiteren Ranbzügen entsagend, sich in seine Grenzenzurückzichen und konnte sich innerhalb derselben nicht lange mehr christlicher Lehreund Gesittung verschließen. So durchschlagend war diese Wirkung, daß, wieOtto von Freising sagt (a. a. O.): cxkiuc gcno omuium immanissima nonsolnin rognnin invackoro non aucksret, asck et suum cksspsratione corrsptavaUidus ot suckibuo in loois palustribus contra nootros munirs co^itarst.Auch den ungrischen Chronisten, z. B. Simon von Keza (S. 103: exercitnsailnit non intrans nlterins in (iormaniaini ist die Bedeutung dieses Ereig-nisses keineswegs entgangen. Weder diese Schlacht aber, noch die früher gegendie Deutschen gelieferten Treffen hängen mit der schon vorher vollzogenen Bil-dung des ungrischen Reiches zusammen, und doch ist eben dieser Zusammenhangder wesentliche Kern der Sage, wie sic uns am klarsten bei Albrich cnt-gegentoitt.
Die sieben Stämme der Ungern, so ungefähr mag dieser Kern gelautethaben, leiten ihren Ursprung von den sieben Magyaren her, die aus einer dieVolkskraft fast vernichtenden Niederlage allein übrig blieben. Flüchtig undgeschlagen, gewannen sie dennoch wieder die Macht, mit ihren Geschlechtsgenosscnals deren Häupter Pannonien dem Herzog Suatopluk und seinen Slaven zuentreißen und ein kriegerisches Reich zu begründen, dessen Herrscher von demVornehmsten jener Sieben, Almus9, oder seinem Sohne Arpad abstammten.Ist nun diese durch so manche spätere Entstellungen, zumal durch die ungehörigeEinmischung der Hünen stark verdunkelte Urspruugssage als völlig unhistorischzu verwerfen? Ich glaube nicht. Wie die Burgunder ihr späteres Königreichin den Rhonelaudcn, an dem ihr Name am längsten gehaftet hat, erst be-gründeten nach einer Unglücksschlacht gegen die Hünen, in der ihr Königshausund ein großer Theil des Volkes zu Grunde gieng — einer Schlacht, derenAndenken bei allen deutschen Stämmen in Lied und Sage fortlcbte —, so istauch die Einwanderung der Magyaren in ihr heutiges Vaterland aus denGegenden an der Mündung der Donau und des Duicpr unmittelbare Folgeschwerer Kämpfe, iu denen die feindlichen Nachbarn. Bulgaren und Petschenegen,einen großen Theil der Nation anfriebcu. Dies geschah nach ganz glaubhaftenAngaben im I. 895 (s. meine Gesch. des Ostfränk. Reiches II, 4l3) Als Be-siegte also, mit gelichteten Reihen, ihrer Habe wie ihrer Familien großcntheilsberaubt, zitternd vor der Uebermacht der Petschenegen, die in ihre früheren sitzeeinrückten. überschritten die Magyaren die Karpathen, um unter besondersgünstigen Verhältnissen sich gegen die Slaven eine neue Heimat zu erkämpfen.Warum sollte die ungrische Sage die Herkunft ihres Volkes von diesen Flücht-
Diesen nenni auch Albrich (Oliron. L. 693, 88. XXlH, 74^): k?ub primo äuos suo nomms/Vlmo (nicht ^Uno!).