120
Versöhnung Ottos mit Heinrich 9II.
Zusammenkunft mit Heribert gehalten hatte, begab sich zur Feier desWeihnachtsfestes nach Frankfurt. Hier war es, wo Heinrich, imBüßergewande und mit entblößten Füßen, sich unverhofft vor ihmniederwarf und reuevoll um Gnade sichte. Heimlich bei Nacht, mitHilfe des Mainzer Diaconus Rudbert war er aus seinem Gefängnisentflohen?) Otto hatte soeben die Kirche zum Frühgottesdienste be-treten: er gedachte des Festes, an dem einst die Himmlischen „Friedeauf Erden" sangen, verzieh dem Bruder und vergaß es, daß er ihmnach Leben und Krone getrachtet hatte. Was Heinrich zu diesemSchritte getrieben, ob Noth, ob Reue, läßt sich jetzt nicht mehr sagen:jedenfalls hatte auch die Königin Mutter ihren Einfluß aufgeboten,um den viel gekränkten König mit ihrem Lieblinge auszusöhnen?)Nur allmälich bahnte sich im Laufe der nächsten Jahre ein besseresund innigeres Verhältnis zwischen beiden Brüdern an, so daß Ottowiederum Heinrich einige Einwirkung auf die Geschäfte verstattete undauch seinen Vassallen Begnadigung zu Theil werden ließ?) Unterdem Eindrücke der hervorragenden Stellung, die Heinrich in spätererZeit einnahm, trat die Erinnerung an die verbrecherischen Pläneseiner jüngeren Jahre in den Hintergrund. Schon bei der höfischenDichterin Hrotsvith erscheint seine Schuld sehr abgeschwächt unb eswird vorzüglich die Rührung des Lesers für die reuige Unterwerfungdes Büßenden erweckt; in einem halb deutschen, halb lateinischen Leichendlich ist dieser Bußakt fast in einen Triumphzug verwanbelt undehrenvoll steht Heinrich als der zweite neben dem Könige?) Eine
Vereins sür Untersranken XIII, 3, III, Olirome. Virdburg. (88. VI, 27),Poppo findet sich als Notar nnd Kanzler vom 4. Nov. 9>6 — 23. April 941und wurde wahrscheinlich 4. April 941 geweiht, da er am 14 oder 15. Febr.961 starb und 20 I. 10 SN. 14 T. Bis los gewesen sein soll. Bei dem Ooutin.Ilsgin. 961 heißt er rsgi psreavus. lieber seine Herkunft vgl. Otbloni V.VVolt'llniiAi e. 4.
') Oonti». lioAinon. 942: per linodvortum lllSAOutieusis saelosiasdiaeonum enstodium uoetu dam auIuAieus; lüudpraml. Xnt. IV e. 34:adsumptis seeum, quornm pruosidio iuvaretur, quilmsdum episeopis. DaHrotsvith sOlostu Oäci. v. 336—377, vgl. Köpke Hrotsvit 113 ff.) in Bezugaus den Bußakt selbst wesentlich mit den andern Q icllen übereinstimmt und nurdie Hast verschweigt, so dars sie zur Ergänzung wohl herangezogen werden
2) Vita II. Aluliiüildis c. 9: Dune rogius luvonis Ileiuriaus multasustinuit adver->u, czuas inelita inater oeontra salutaribus diseiplinis loni-vit . . Dandem Mediator Oüristus IS8U8 nolens t'ratrss inter ss diutiuodiscordars per sanetas matris meritum illos eoneordavit in unnm. DieseWorte können sich jedoch auch aus die Fürsprache Mahthildes bei der lleb.rtragungBaierns (Widulr II e. 36) beziehen.
') Hrotsvith und Widukiud (0 e. 36) rühmen beide die Herstellung derbrüderlichen Eintracht erst »ach der U bcrtragnng BaiernS im I. 948 Als Für-bitter kommt Heinrich zuerst in den Urk. vom 18. Juli und 19 Sept 944 vor,in denen er zweien seiner Bassallcn die cwgezogenen Güter wieder verschafft,s oben S. 117 A. 5.
^ <) Mllllenhofs und Scherer Denkmäler deutscher Poesie n. Prosa, 2. Ausg.
S. 27. 324 —327, denen darin bciznstimmcn ist, daß von einem zweiten Heinrichschwerlich die Rede sein kann. Eine sagenhafte Erinnerung an Heinrichs De-mütigung scheint in dem .verzog E nst c. 3> und 39 der latein. Prosa sortzu-lcben (Haupts Zeitschr. für deutsches Altcrthum VII, 245—2,9, vgl. XIV, 269).