s
„Vor acht Tagen, Majestät."
„Irgend ein Feind?" fragte der König.
„Ja," antwortete Nene, „ein Feind, den EureMajestät kennt, und der Eure Majestät kennt."
„In der That," sprach Heinrich, „ich glaube da-von gestört zu haben, aber ich kenne die einzelnen Umständenicht, die mir Euer Freund enthüllen will, wie er sagt."
„Nun Wohl, es wurde dein Prinzen von Eonde einwohlriechender Apfel überreicht; zum Glücke befand sichaber sein Arzt bei ihm, als man ihn brachte. Ernahm ihn aus den Händen des Boten und roch daran,um den Geruch und die Wirkung desselben zu versuchen.Zwei Tage nachher waren eine brandige Geschwulst desGesichtes, ein Austreten deS BlnteS, eine scharfe Wunde,welche die Haut und das Fleisch verzehrte, der Lohnseiner Ergebenheit oder das Resultat seiner Unklughelt."
„Leider habe tck>," antwortete Heinrich, „bereitsHalbkotholik, allen Einfluß auf Herrn von Eonde ver-loren. Euer Freund hätte also Unrecht, wollte er sichan mich wenden."
„Nicht allein bei dem Prinzen von Eonde könnteEuere Majestät durch ihren Einfluß meinem Freundenützlich sehn, sondern auch bei dem Prinzen von Porcian,bei dem Bruder desjenigen, welcher vergiftet worden ist."
„E!/ci!" rief Charlotte, „wißt Ihr, Rene, daßEure Geschichten sehr nach dem Furchtsamen riechen? Ihrbittet sehr zu ungelegener Zeit. Es ist spät; Eure Redehat den Charakter eines Lcichenpredigers. Zn der That,Eure Parfümerien sind mehr Werth."
Und Charlotte streckte abermals die Hand nach derOpiatkapsel ans.
„Madame," sagte Nene, „ehe Ihr es versucht, wieIhr thnn wollt, vernehmt, was für grausame Wirkungendie Boshaften daraus ziehen können."
„Ihr seyd offenbar heute Abend ein Leichenredner,Nene," sprach die Baronin.
Heinrich runzelte die Stirne, aber er begriff, daß