Druckschrift 
Gehör und Sprache : Vortrag, gehalten zum Besten des Privatinstituts für den Unterricht Taubstummer Kinder zu Königsberg i. Pr.
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28

Regel nicht, aber dennoch sind sie schwer als Maßstab für die Fein-heit des Gehöres zu benutzen. Wie soll man ihre Kraft be-stimmen? Ist es denn ohne Weiteres möglich zu sagen, mitwelcher Macht der Bogen über die Saiten streicht, oder zu er-messen, mit welcher Kraft die Luft durch die Orgel strömt? DerKünstler regelt sein Spiel nach seinem Gehör, aber die Kraftnach Pfunden anzugeben ist man schwerlich im Stande. Allediese musikalischen Instrumente sind zu komplicirt für solchenZweck. Nur die Töne einer Stimmgabel können benutzt wer-den, wo man Grund hat das musikalische Gehör zu prüfen, undman hat einfache Vorrichtungen sich hergestellt, um die Kraftdes Anschlages hinreichend genau zu regeln.

Aber der Kreis ihrer Anwendung kann nur ein geringer sein,weil man doch nur dann eine Kontrole haben wird, ob jemand einenTon hört, wenn er im Stande ist den Ton auch nachzusingen,eine Aufgabe, die ja bei dem besten Willen nur von einer be-schränkten Zahl musikbegabter Menschen mit Sicherheit gelöstwerden kann.

Und wenn nun einer von diesen Bevorzugten behauptet, erhöre einen anderen Ton, als denjenigen, der ihm angegeben wor-den, oder es klänge ihm noch ein zweiter fremder Ton mit, wiedas zuweilen vorkommt, der ihn stört, so ist eine Kontrolle überdiese Angaben natürlich nicht möglich.

Bekanntlich ist es aber für einen musikalischen Menschenkaum möglich, einen bestimmten Ton richtig zu singen, wennihm ein falscher Klang zur selben Zeit kräftig in dasOhr braust: man kam sogar auf die Idee diesen Umstandzu benutzen, um einem Betrüger auf die Spur zu kommen,der da behauptete in Folge eines Schlages auf einem Ohrtaub geworden zu sein. Ob es nun aber ebenso schwer seinmag, wenn der Nebenton nicht in der Außenwelt erklingt,

iss«)