156
Friedrich Zaiuscke,
ebensoviele der Sl. Galler, vgl. Bachtold in der Germania 2, 335.Auch eine Prosa in niederdeutscher Sprache scheint es zu gehen;vgl. v. d. Hagen’s Grundriss S. 552. Einen, mir nicht zu Gesichtgekommenen alten Druck erwiilmt C. Simrock. Eine gute neudeutscheBearbeitung lieferte, durch Goethe angeregt, 1822 G. Schwab »DieLegende von den heiligen drei Königen, Stuttgart und Tübingenhei Cotta«, mit einer guten Einleitung, die zuerst den, Goethe nochunbekannt gebliebenen Namen des Verfassers feststellte. 1842 nahmSimrock einen Auszug in den 4. Band seiner Volksbücher auf.
Ich folge in den nachstehenden Auszügen dem Drucke von I486und seiner Capiteleintheilung.
Lehrreich ist die zu Grunde liegende geographische Anschauung. Melchiorist König von Nubien, wozu auch Arabien mit dem Sinai gehört, liier, heisstes, sind die Einwohner stets dem Christenlhume treu geblieben; sie haben anallen Orten, wo Christenleute wohnen, eigene Tempel und. Kirchhöfe. Offenbarist, hier richtige Kennlniss von den abessinischen Christen anzunehmen. Balthasarherrscht in nGodoliav., woz-u auch Saba gehört, Jaspar in » Tharsis « und überdie hochberühmte Insel » Egrysculla«, in der, wie angegeben wird, später derLeichnam des heiligen Thomas bestattet wurde. Gemeinsam heisst es von dendrei Königen, sie herrschen »in den Lunden zu Indien, Chaldäa und Persien «.Sie kommen alle drei »vom Orient, da das Erdreich sich endet und die Sonneaufgeht. Bort hört man beim Anbruch des Tages und bei der Morgenröthe dieSonne mit so grossem Geräusch und Schall und mit so erschrecklichem Getaneaufgehen, dass, wer das nicht gewohnt iväre, es nicht möchte ertragen. Unddarüber hinaus da werden die Menschen durch das Hallen des Firmamentestaub geboren « [Cap. 25 des Drucks). Bei der Rückreise gehen alle drei überCilicien [Cap. 24 des Drucks). Auch sonst werden die drei Könige in gleicherGegend wohmnd gedacht, obwohl sie nach Jerusalem auf verschiedenen Wegengekommen waren, unabhängig und unwissend von einander.
Nachdem die drei Könige nach Christi Geburt in Bethlehem gewesen sind,kehren sie heim und warten auf die Predigt von Christus und auf die Taufe.Aach Christi Tode begiebt sich der Apostel Thomas zu ihnen, die mittlerweilealt geworden sind, aber wie Simeon geharrt und gehofft haben. Freudig em-pfangen sie ihn. Nach Predigt und Taufe weiht er sie zu Erzbischöfen. NachThomas’ Fortgang und Märtgrertode wühlt eine Versammlung von Königen,Fürsten, Bischöfen, Priestern, u. s. w., die die drei Könige ausgeschrieben ha-ben, den Begleiter des Thomas, Jacob von Anliochia, zum Patriarchen undgiebt ihm als solchem den Ahmen Thomas, ivie forthin alle Patriarchen dortheissen. Dann heisst es weiter, Cap. 54 des Drucks, Cap. 51 der OlmützerHandschrift:
Ceterimi praedicti tres reges gloriosi, quia liberos et heredes non habue-runt, extunc etiam de communi consilio et unanimi consensu omnium popu-