Simon Maimi und die letzten Märtyrer von Portugal. 387
Denn wer konnte damals in Portugal ein hebräisches Buch der Medicinvon einem andern unterscheiden? Die Talmudbeflissenen konnten daherunter der Maske des Katholicismus nach wie vor ihrem liebgewonnenenStudium obliegen und sie thaten es auch.
Indessen sollte diese Milde nur den portugiesischen Marranen zuGute kommen, aber nicht denen, welche von auswärts eingewandertwaren. Diese Clausel hat Manoel aus Rücksicht auf den spanischenHof oder vielmehr auf die spanische Infantin Jsabella ausgenommen.Denn diese bestand darauf, daß die aus Spanien nach Portugalgeflüchteten Marranen dem Moloch der Inquisition ausgeliefert werdensollten. In dem Ehevertrag zwischen dem König von Portugal unddieser fanatischen Jsabella wurde ausdrücklich bedungen (August 1497),daß sämmtliche Personen von hebräischem Geschlechts, die, von derInquisition verurtheilt, Schutz in Portugal suchen sollten, innerhalbeines Monats ausgewiesen werden müßten H.
So waren denn so viele Tausende portugiesischer Juden zum ScheineChristen geworden, aber mit dem festen Entschlüsse, jede Gelegenheitwahrzunehmen, um auszuwandern und in einem freien Lande ihreihnen durch Qualen nur um so theurer gewordene Religion zu be-kennen. Ihre Seele war, wie der Dichter Samuel Usque sieschildert, „von der empfangenen Taufe nicht befleckt worden". Indessenwaren auch noch einige Juden zurückgeblieben, welche die Zwangstaufemit aller Macht von sich abgewehrt hatten. Unter ihnen SimonMaimi, ein Jünger Isaak Canpanton's, wahrscheinlich der letzteOberrabbiner (^rrakn rnor) von Portugal, ein skrupulös frommerMann, ferner seine Frau, seine Schwiegersöhne und noch einige Andere.Sie waren in strenger Haft, weil sie das Judenthum nicht abschwörenund auch äußerlich die Kirchenriten nicht mitmachen wollten. Umsie zu bekehren, wurden Simon Maimi und seine Leidensgenossenauf die unmenschlichste Weise gefoltert. Im Kerker wurden sie bisan den Hals eingemauert und drei Tage in dieser qualvollenLage gelassen. Als sie dennoch standhaft blieben, wurden dieMauern niedergerissen. Drei waren den Qualen erlegen; auch SimonMaimi, auf dessen Bekehrung es am meisten abgesehen war, weil seinBeispiel die klebrigen nachziehen sollte. Zwei Marranen wagten ihrLeben, um die Leiche des frommen Dulders auf dem jüdischen Bc-gräbnißplatz zu bestatten, obwohl es streng verboten war, die jüdischenSchlachtopfer durch andere Personen als durch Henker zu beerdigen.Heimlich begleiteten noch einige Marranen den stillbeweinten Heiligen
H S. Note 14.
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