Druckschrift 
8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
366
Einzelbild herunterladen
 

366

Geschichte der Juden.

Aboab, welcher nach Portugal mit einem Comits von dreißig Personengereist war, um von dem König Joso II. die Erlaubniß zur An-siedelung oder zum Durchzuge zu erwirken, war es gelungen, ziemlichgünstige Bedingungen für sie zu erlangen. Denn viele Auswandererzogen es vor, einstweilen einen Ruhepunkt im Nachbarlande zu finden,weil sie sich mit der Hoffnung schmeichelten, daß ihre Unentbehrlichkeitfür Spanien nach ihrem Abzüge erst recht ans Licht treten, dem

verblendeten Königspaare die Augen öffnen und es veranlassen würde,das Verbannungsdekret zu widerrufen und die Verbannten wiederaufzunehmen. Im schlimmsten Falle, so dachten die Ausgewiesenen,würden sie von Portugal aus sich eher umsehen können, wohin sie sichwenden sollten, und würden Schiffe finden, die sie ohne Ungemachnach Afrika oder Italien setzen würden. Als die spanischen Deputirtenden Antrag an den König JoLo II. stellten, sie für immer oder

zeitweise für Geld in Portugal aufzunehmen, ging der König

mit den Granden des Reiches darüber zu Rathe, ließ aber gleichden Wunsch durchblicken, den Verbannten für Geld die Aufnahme zugestatten. Einige Räthe sprachen sich aus Mitleid mit den unglück-lichen Juden oder aus Liebedienerei gegen den König günstig dafüraus; Andere oder die Meisten derselben waren aus Judenhaß oderaus Ehrgefühl entschieden dagegen. Der König überwand aber alleBedenklichkeiten, weil er durch das Einzugsgeld von den Einwandererngroße Summen zu erlangen hoffte, um damit den beabsichtigtenafrikanischen Krieg nachdrücklich führen zu können^). Es war An-fangs davon die Rede, daß die spanischen Verbannten die Erlaubnißzum dauernden Aufenthalte in Portugal erhalten sollten ?). Aberdiese Begünstigung schien den portugiesischen Juden selbst äußerstbedenklich, weil dadurch die Zahl der Juden im Mißverhältniß zu

dem kleinen Lande einen bedeutenden Zuwachs erhalten, die meistverarmten Einwanderer den portugiesischen Gemeinden zur Last fallenund den König, der ohnehin nicht sehr menschenfreundlich und nochdazu judenfeindlich war, feindselig gegen die portugiesische Gesammt-judenheit stimmen würden. Die jüdisch-portugiesischen Notabeln hieltendaher Berathung darüber, und manche lieblose Stimme ließ sich ver-nehmen, daß sie selbst Schritte thun müßten, die Aufnahme derspanischen Verbannten zu Hintertreiben. Ein edler Greis Joseph ausder Familie Jbn-Jachja sprach zwar mit dem wärmsten Gefühle für

H liu/ äs ?rns Ollronies äs Von äoso II. in Scrra's Lolleosö äsI1bro8 ineäitos äs In lästoris portnAsrs 1. I. s. 64, 65. HandschriftlicheQuelle Libtiotlises äs. .^juäs bei Hersulsno, äs oriAsm äs. Inguisisso I. p. 106.

2) Vergl. Note 18.