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Geschichte der Juden.
sind, ferner abtrünnig zu machen. Weiter wird zur Entschuldigungangeführt: daß jede Körperschaft aufgelöst werden müsse, in derenMitte einige Glieder sich schandbare Verbrechen zu Schulden kommenlassen, und die schlechten Einwohner einer Stadt müssen verbanntwerden, wenn sie deren Ruhe stören. Um so mehr sei die Ver-bannung der Juden nothwendig, wegen ihrer gefährlichen und an-steckenden Frevel gegen den katholischen Glauben. Daher habe dasKönigspaar in Berathung mit einigen Kirchenfürsten, Granden undGelehrten beschlossen, die Juden aus allen seinen Staaten aus-zuweisen. Kein Christ sollte bei Strafe der Güterentziehung Judennach Ablauf des Termins schützen oder beherbergen. — Das EdiktFernando's und Jsabella's legt ein günstiges Zeugniß für die damaligenJuden Spaniens ab, daß ihnen kein anderes Verbrechen zur Lastgelegt werden konnte, als daß sie treu in ihrem Glauben blieben undihre marranischen Stammgenossen darin zu erhalten suchten. ZurEntschuldigung dieser unmenschlichen Ungerechtigkeit wurde ein Märchenerfunden: das Königspaar sei deßwegen gegen die Juden so erbittertgewesen, weil der Jnfant in einer Pomeranze, die ihm ein jüdischerHofmann geschenkt, ein Jesusbild in lästerlicher Stellung gefunden habe^).
So war denn endlich der von Fernblickenden längst gefürchteteStreich geführt. Die spanischen Juden sollten das Land verlassen,mit dem alle Fasern ihres Herzens verwachsen, in dem die Gräberihrer Vorfahren seit mindestens fünfzehn Jahrhunderten waren, undzu dessen Größe, Neichthum und Bildung sie so viel beigetragenhatten. Betäubend wirkte der Schlag auf ihre Gemüther. Abrabanelund Abraham Senior glaubten ihn noch durch ihren Einfluß ab-wenden zu können. Sie eilten zum Königspaare und boten ihm dieüberschwenglichsten Summen von den Juden an, wenn das Ediktwieder aufgehoben würde. Ihre christlichen Freunde, angeseheneGranden, unterstützten ihr Gesuch. Fernando, der mehr auf Be-reicherung, als auf die Verherrlichung des katholischen Glaubens sah,war schon geneigt, nachzugeben. Da soll der fanatisch-giftige General-inquisitor Torquemada seinen Machtspruch dagegen erhoben haben.Er habe im Palast, so wird erzählt 2), die Unterhandlung vernommen,
fl llanAuus ^ lilirunäkr äiooionarlo äs XntiAnnäaäss äs Xavarra Artikeläuäios II. x. 117. Die Quelle war wohl der Anhang zum grünen Buchex. 289 f.
2 ) Die Nachricht von Torquemada's Aeußerung hat zuerst Llorcntc a. a. O. I.x. 250 ohne Quellenangabe mitgethcilt. Lafuente hält es für unwahrscheinlich,daß sich der Inquisitor gegen die Majestäten eine so kühne Sprache erlaubthaben sollte (a. a. O- IX. p. 408 Note). Xmaäor citirt die Erzählung Bravo's,daß Torquemada eine solche Sprache dem Königspaar gegenüber gcsührt hätte bei