Don Isaak Abrabanel.
325
und allenfalls auch die Staatswissenschaft gut verstand, aber er wardurchaus kein philosophischer Kopf. Der damalige König von Portugal,Affonso V., ein gebildeter, leutseliger und liebenswürdiger Herrscher,wußte auch sein Talent zu würdigen; er berief ihn an seinen Hof,vertraute ihm das Finanzwesen an und zog ihn bei wichtigen Fragenin's Vertrauen H. Sein edles Gemüth, seine wahrhafte innigeReligiosität, seine Bescheidenheit, die fern von allem Dünkel war,und seine uneigennützige Klugheit verschafften Abrabanel innerhalbund außerhalb des Hofkreises die aufrichtige Zuneigung christlicherGranden. Mit dem mächtigen, sanften und wohlwollenden HerzogFernando von Braganza — der über fünfzig Städte, Flecken,Schlösser und Burgen gebot und 10,000 Mann Fußvolk wie3000 Reiter in's Feld stellen konnte — mit ihm und seinen Brüdern,dem Marquis von Montemar, Connetable von Portugal, unddem Grafen von Faro, die brüderlich einträchtig zusammen lebten,mit allen diesen stand Abrabanel auf freundschaftlichem Fuße?). Mitdem gelehrten Jo So Sezira, der bei Hofe in hohem Ansehen standund ein warmer Gönner der Juden war, hatte Abrabanel ein sehrinniges Freundschaftsverhältnis; b). Er beschreibt selbst seine glücklicheLebenslage am Hofe des Königs Affonso:
„Friedlich lebte ich in meinem ererbten Hause im gepriesenenLissabon, daselbst hatte mir Gott Segen, Reichthum und Ehrengegeben. Ich hatte mir große Bauten und weite Säle angelegt.Mein Haus war ein Mittelpunkt für Gelehrte und Weise. Ich warbeliebt im Palaste Affonso's, eines mächtigen und gerechten Königs,unter dem auch die Juden Freiheit und Wohlstand genossen. Ich standihm nah, er stützte sich auf mich, und so lange er lebte, ging ich in
') Abrabancl's Einl. zum Oosus-Commentar.
2) Das. sagt Abrabanel: nw, rnem, ir> (win Po pi) Viswi
nnm . . . nnsip Lip MW . . . >ro nin w-mivmi mm
mm,' WV 1 nimn ll'Limn L'-wm NN Dieses bezieht sich nicht, wie Car-
moly meint, auf den Herzog von Visen, den leichtsinnigen Schwager des KönigsDon Joäo (das. x, 49,71), sondern auf den Herzog von Braganza, der am 20. Juni1488 hingerichtct wurde, in demselben Jahre, in dem Abrabanel nach Castilienentfloh, während der Herzog von Viseu erst am 23. August 1484 vom Königerstochen wurde (Schäfer, Geschichte von Portugal II. x. 632, 640). In dieserZeit war das Vorwort zu Josua, Richter und Samuel bereits geschrieben.Denn die Commentaricn zu diesen waren beendet 13. Adar ---- 9. Fcbr. 1484,also zur Zeit, als noch der Herzog von Viseu lebte und erst den Verschwörnngs-plan betrieb, war Abrabanel entflohen.
2) Gordo, rnsmoris sodrs los llnäsos äs kortnAsI, in der öistoria slVIernoriss äs. ^osäsinis real das soisnsias äs IUws, 1823 0?. VIII.Dö. II. x. 8.