Der spanische Adel.
319
werden dürfte. Er forderte daher, die Akten gegen Davila undde Aranda zu einer Untersuchung einzusenden. Zugleich benutzte derPapst diese Gelegenheit, sich in die inneren castilianischcn Angelegen-heiten einzumischen, was immer irgend einen Gewinn in Aussichtstellte, und sandte einen außerordentlichen Nuntius Antonio Pala-vicini dahin, den Proceß zu untersuchen. Der Ausgang fiel ver-schieden aus. Während Juan Anas Davila in Rom mit Auszeichnungbehandelt wurde und in Ehren starb, wurde Pedro de Aranda, dersich ebenfalls nach Rom stellen mußte, seiner Bischofswürde und sogardes geistlichen Standes entkleidet und blieb bis zu seinem Tode inSan-Angelo eingekerkert Z.
Torquemada und die Inquisitoren hatten sich bereits eine solcheSelbstständigkeit errungen, daß sie nicht nur dem Ausspruch desPapstes, sondern auch dem Willen des Königspaares trotzen durften.Das Beil erhob sich gegen die damit hauende Hand, die Säge gegenden, der sie schwang. Gegen den Willen des Königs' Fernando er-hoben Torquemada und seine Untergebenen eine Anschuldigung gegenden Vice-Kanzler Don Alfonso de Caballeria (1488), welcher bei derVerschwörung gegen den Inquisitor Arbues betheiligt war. Erstammte von jüdischen Großeltern, und die Gebeine seiner Groß-mutter Violante wurden als die einer rückfälligen Jüdin verbrannt.Selbst seine erste Frau stand unter Anklage der Ketzerei und wurdezur öffentlichen Buße verurtheilt, einem ^u1o-äa-l?s im Büßer-gewande beizuwohnen. Alfonso de Caballeria^). obwohl in besondererGunst des Königs, wurde als judaisirender Ketzer und Mitschuldigeran der Verschwörung angeklagt. Er apellirte aber an den Papstund wies das Ausnahmegericht zurück, das über ihn keine Competenzhätte. Da der Vicekanzler von jüdischer Abkunft sehr reich war, sonahm der Papst seine Partei; der König trat ebenfalls auf seineSeite und die Inquisition war zuletzt genöthigt, ihn freizusprechen und,als mit der Kirche versöhnt, wieder aufzunehmen. Seine zwei Töchterwurden an die vornehmsten Adeligen verheirathet, und einer seiner Söhneehelichte eine Enkelin des Königs, eine Base des nachmaligen KaisersKarl V. Fast in dem ganzen hohen Adel Spaniens fließt jüdischesBlut, sei es auch nur von weiblicher Seite, in der Abstammung vonDon Davila oder dem Grafen von Pugnonrostro in Castilien^).In Aragonien stammten die Grafen von Nibegorza oder Herzögede Lunas von einer Jüdin Estanza, Tochter von Abiatar
1) Llorcntc das. x. 267 ff. Xirmäor III. 270.
2) Llorcntc das. p. 250 f.
") Llorcntc das. I. Lrötneo XXVI.