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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Strafvollstreckung an verstorbenen Marranen. 311

ranen, die angeblich oder wirklich judaisirt hatten, wurden aus-gegraben, in Särge gelegt, mit dem Namen derselben in Prozessionzur Stätte geschleppt und verbrannt. So wurden in Toledo an einemTage die Ueberreste von mehr als hundert Neuchristen verbrannt,darunter auch die eines Messe lesenden Geistlichen. Die Güter ihrerErben wurden cingezogen und alle ihre Nachkommen für ehrloserklärt. Hebräische Schriften bei einem Marranen anzutreffen, warein glücklicher Fund für die Inquisition. Es war ein handgreiflicherBeweis für die judaisirende Ketzerei ihres Besitzers, und sie wurdenmit demselben verbrannt, auch ohne Schonung für die Bücher derheiligen Schrift in der Ursprache H, welche den Dominikanern einDorn im Auge war, weil wahrheitsliebende christliche Gelehrte, wieReuchlin und andere, sie als diehebräische Wahrheit" vor derlateinischen Uebersetzung der in der Kirche gebrauchten Vulgata vorzogen.

In Castilien, Jsabella's Herrschergebiet, ging die Einführung derInquisition zur Vertilgung oder Demüthigung der Marranen ohneWiderstand von statten. Denn einerseits war hier die königlicheGewalt so ziemlich unbeschränkt und nicht an Formen gebunden, undandrerseits waren die Neuchristen hier bei der altchristlichen Bevölkerungniehr verhaßt als in Aragonien, dem Herrschergebiete Fernando's.Außerdem mußte der König in den Landestheilen Aragonien, Catalonienund Valencia zu neuen Gesetzen die Zustimmung der Cortesversammlung,die aus Deputaten des Adels-, Geistlichen- und Bürgerstandes zu-sammenberufen waren, erlangen. Hier gab es, wie angegeben, einerichterliche Autorität, welche dem königlichen Befehle die Zustimmungversagen konnte; es war der Großjusticiar, damals vertreten vonDon Juan de la Nuza, welcher ein Enkel einer Marranin-) aus derFamilie Coscon war, die von einem jüdischen Ahnen Abraham Aben-Jachja abstammte ^). Fernando, von Haus aus ein armer Monarch,hatte mit der Einführung der Inquisition den Hauptzweck im Auge,den königlichen Schatz durch Confiscirung der Güter der verurtheiltenreichen Marranen zu füllen; aber gerade nach altaragonischem Grund-rechte durfte die Hinterlassenschaft der Hingerichteten schlimmsten Ver-brecher nicht den Erben entzogen werden, und die Verurtheilung durfte

') Das.

") ^rnaäoe b. III. p. 258.

o) Dl lidro vsräö (o. S. 150) unter der Rubrik Oosoon . . . toüo5 lo86oseone8 clevolsnäsn äests Hzraüam ^vou-LIa^a. Nach der Angabe desCardinals Mcndoza x Lodaäilla, des Berf. des tison cts Dspaila, stammtendie Grafen de Sanjago von den Coscones ab (p. 40). ^vsu-^Irr^a istwohl verschrieben statt ^.vsn-Ha)m