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Geschichte der Juden.
Dieses Schauspiel wechselte mit der Feierlichkeit des Scheiter-haufens ab. Zuerst wurden 25 judaisirende Marranen verbrannt(10. Aug. 1486), fünf Frauen und zwanzig Männer, alle diese Per-sonen von Stande, darunter ein Comthur des Ordens von Santjago,ein Doktor Alonso Cota, ein Staatsanwalt und eine Rathsperson.Sie wurden zum Platze geschleppt, die Hände an den Hals mit Strickengebunden, mit einem Sanbenito von grober Leinwand bekleidet, aufwelchem der Name des Schlachtopfers bezeichnet war, auf dem Kopfeeine pyramidenförmige hohe Mütze. Auf dem Platz angelangt, wurdeihnen ihr Sündenregister vorgelesen und sie dann dem weltlichenArm übergeben, d. h. Scharfrichter zerrten sie auf ein Blachfeld, woein Holzstoß angezündet war, auf dem sie verbrannt wurden. Mitzwei Geistlichen wurde ein besonderer Glaubensakt vorgenommen(17. August), damit die Strafe für ihr Verbrechen noch nachdrücklicherkündbar werde. Der Eine von ihnen war ein junger Arzt undzugleich Kaplan in der Kapelle der Könige von Toledo und derAndere Pfarrer einer Kirche in Talavera. Beide hatten sich schrecklicheKetzereien zu Schulden kommen lassen, indem sie trotz ihres geistlichenStandes die Gesetze des Judenthums beobachtet hatten. Sie wurdenzuerst mit den geistlichen Gewändern bekleidet und hielten den Meßkelchund das Evangelienbuch in der Hand. Dann wurden sie ihrer ent-kleidet, so daß sie nur ihr Unterkleid behielten, und ihre Hände mitStricken gebunden und verbrannt. Neun Monate später (Mai 1487)wurden in derselben Stadt dreiundzwanzig Marranen dem Feuertodeübergeben, darunter ein Kanonikus, der die Messe zu lesen pflegte. Unterder Folterqual hatte er seine Schuld eingestanden, daß er in seinemWiderwillen gegen das Christenthum eine Kreuzfigur verunsäubert undbeim Messelesen das Sakrament gelästert habe. Im darauffolgendenJahre wurden noch mehr Marranen in Toledo verbrannt, einmalzwanzig Männer und sieben Frauen (2. Juli 1488), und zwei Tagedarauf mit besonderer Feierlichkeit ein Stiftsgeistlicher und zweiMönche vom Hieronymiten-Orden. In diesen Orden von dermilderen Observanz pflegten Marranen, welche im ScheinchristenthumRuhe haben wollten, einzutreten. Aber das Mönchsgewand schützte sienicht vor der Wuth der Dominikaner. Ein anderes Mal wurdeneinige Prioren, drei Mönche und Männer mit hohen geistlichen Würdenverbrannt M Gab es keine Lebenden für das Glaubensschauspiel, sowurde ein solches mit Leichnamen veranstaltet, um den Fanatismusder Bevölkerung rege zu erhalten. Die Gebeine verstorbener Mar-
i) Note 12.