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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Aufforderung zur Angeberei gegen die Marranen. 307

Hauptmann, welcher eine Entvölkerung der Bewohner Toledos fürchtete,wenn sogleich mit Strenge gegen die verdächtigen Marranen vorge-gangen werden sollte, legte indeß ihnen nur eine Geldstrafe auf fürden Krieg gegen das mohammedanische Gebiet von Granadas.

Infolge dieses Fehlschlags der Verschwörung blieb den Marranenin Toledo nichts übrig, als sich zu unterwerfen, d. h. zu bekennen,daß sie vorher mehr oder weniger judaisirt hätten, und um Verzeihungund Sühne zu bitten, aber wie ein Augenzeuge berichtet mehrdurch die Furcht gezwungen als aus Liebe zum katholischen Glauben^).Um hinter die Wahrheit dieser Geständnisse und die Aufrichtigkeit derReue zu kommen, machten die Inquisitoren bekannt, Jedermann solltebei Vermeidung der Inquisition innerhalb einiger Monate zur Anzeigebringen, was er von dem ketzerischen Thun und Treiben der Marranenwüßte. Dann riefen sie die Rabbiner des Gebietes von Toledo zu-sammen, ließen sie bei der Thora schwören und bedrohten sie für denFall des Ungehorsams mit Todesstrafen, daß sie in den Synagogenjeden Juden bei dem schweren Bann auffordern sollten, die Marranenanzugeben, von welchen sie wüßten, daß sie irgend wie jüdische Ritenund Gewohnheiten sich hatten zu Schulden kommen lassen. Es warein teuflischer Plan, würdig des Großinquisitors Torquemada, derihn ausgedacht hatte, um alle Marranen zur Strafe ziehen zu können,welche heimlich dem Judenthume anhingen. Die Juden selbst solltenVerräther an ihren eigenen Stamm- und Glaubensgenossen werdenoder gar ihre Blutsverwandten verrathen, da sie doch die Heimlichkeitder Scheinchristen kannten. Ob dieses Mittel zum Ziele geführt hat?Die Quelle berichtet, daß viele Juden gegen die Marranen Zeugnißabgelegt hatten b). Jedenfalls hatte die Inquisition an denen, welcheihre Schuld bekannt und in ihren Aussagen Mitschuldige angegebenhatten, reichlichen Stoff, ihr fluchwürdiges Werk zu beginnen. Die-jenigen Marranen, welche sich nicht zur Selbstanklage gestellt hattenund anderweitig denuncirt worden waren, sowie die in ihrem Reue-bekenntniß falsche Angaben gemacht hatten, wurden in dunklen Kerkergebracht, um später zum Verhör und zum Urtheilsspruch herangezogenzu werden.

Als erste Schlachtopfer der Inquisition von Toledo fielen dreiMänner und drei Frauen, welche ein Mißgeschick in ihre Arme ge-

') Note 12.

2 ) Anonymer Bericht eines Augenzeugen in derselben Note vlno mneka.Akute äs ellos (eonvsrsos) n rseoveilnvion, disn prrreys rnas por Insrqnqns no por voluntaä äs ss volvsr ä In snnetn entölten.

°) lZolstin Jg. 1887 das. p. 294. S. Note 12.