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Geschichte der Juden.
pries den Mönch Capistrano, den Judenschlächter, als Musterbildeines wahren Christen ^). Der freundnachbarliche Verkehr mit Judenwar in seinen Augen ein Gräuel, die höchste Versündigung gegen diekanonischen Gesetze. Die christliche Liebe befehle zwar, meinte er,auch gegen Juden Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu üben, da auchsie der menschlichen Natur theilhaftig sind; allein die kanonischen Gesetzeverbieten, Umgang mit ihnen zu haben, an ihren Mahlen Theil zunehmen und sich von jüdischen Aerzten behandeln zu lassen. Da dieGroßen überall aus Vortheil auf Seiten der Juden standen, so hetzteBernardinus die niedrigen Volksklassen gegen die Juden und ihreGönner. Er schildert die Juden wegen einiger Kapitalisten unter
ihnen, die glückliche Geldgeschäfte machten, sammt und sonders alsBlutsauger und reizte den Unwillen des Volkes gegen sic. „Ich, derich von Almosen lebe, und das Brod der Armen esse, sollte ein stillerHund sein und nicht bellen, wenn ich sehe, daß die Juden das Markarmer Christen aufzehrcn? Ich sollte nicht für Christus bellen?"Von der Art waren seine Predigten-). Um die Kapitalien derjüdischen Bankhäuser entbehrlich zu machen, ließ es sich Bernardinusangelegen sein, in den italienischen Städten, die er bettelnd undpredigend durchzog, Summen zusammenschießen zu lassen, um Vorschuß-kassen zu gründen, von denen die Aermeren auf fünf Prozent Darlehnerhalten sollten (Lions piskatis). Aber, wie schwer hielt es, die christ-lichen Geldmänner dazu zu bewegen! Wenn nicht damals schon eingesunder Sinn in der italienischen Bevölkerung geherrscht hätte, sowäre' der Franciskaner Bernardinus für die Juden Italiens dasgeworden, was im Anfang desselben Jahrhunderts der DominikanerVicente Ferrer für die Juden Spaniens und Capistrano für dieGemeinden Deutschlands und der Slavenländer gewesen waren. Alleindie Machthaber erschwerten ihm das Handwerk der Judenverfolgung,und seine blutigen Predigten verhallten oft in den Wind. Als er inBergamo und Ti eini seine Judenpredigten hielt, verbot es ihmder Herzog Galeazzo von Mailand e). In Florenz und im Tos-kanischen überhaupt nahmen sich der Wissenschaften fördernde Fürstund der Senat der Interessen der Juden mit Nachdruck an. Dergiftige Mönch verbreitete aber: sie hätten sich von Jechiel von Pisaund andern reichen Juden durch große Summen bestechen lassen.Als daher Bernardinus die Jugend gegen die Juden hetzte und einVolksaufstand gegen sie im Anzuge war, bedeuteten ihm die Macht-haber, Florenz und das Land zu verlassen, und er mußte sich fügen
H Lanetoruw a. a. O. dso. 253.
2) Das. Nr. 218, 219. ->) Im Jahre 1480 das. Nr. 87.